Jahresvorschau

Bestraft, weil er „Mann über Bord“ rief

Die Politische Korrekheit nimmt immer absurdere Formen an. Kein Wunder, daß die Satireseite Der Postillon (1,82 Millionen Facebook-Likes) bald die Bild mit ihren 1,85 Millionen Freunden eingeholt hat. Wahrheit oder Ironie? Diese Entscheidung fällt immer schwerer. Die JF wirft einen Blick in die Zukunft und hat die wichtigsten Nachrichten des neuen Jahres zusammengetragen:

Januar

In Köln sind am Montag Mitglieder der Jusos von der örtlichen Antifa aus Versehen zusammengeschlagen worden. Grund war eine tragische Verwechslung: Die Gewalttäter hielten die Mittagspause der Jusos am Kölner Dom für einen Pegida-Aufmarsch. Sozialexperte Friedhelm Fatzke kennt das Problem: „Seitdem das Vermummungsverbot gekippt wurde, wird es immer schwieriger, den richtigen Leuten die Knochen zu brechen“, bemerkt Fatzke in einem Interview auf WDR 5. Zudem habe der Vorfall speziell in der Domstadt auch tiefere Ursachen: „Der Kölner an sich rennt immer sofort auf die Straße, sobald irgendwo laute Musik läuft und Freßbuden aufgestellt werden, egal warum – Hauptsache, es wird am Ende geschunkelt!“ Fatzkes Vorschlag: vor jeder Demo oder Versammlung tellergroße Gut- und Böse-Buttons verteilen, um die Teilnehmer besser zuordnen zu können. „Das macht es der Antifa leichter zu erkennen, wann und wo ‘Nazis Raus’ gebrüllt werden muß und wem sie mit der Eisenstange ins Gesicht schlagen soll.“

Februar

Nach dem Scheitern seines Flüchtlingsheimprojektes will Til Schweiger nun in Mecklenburg-Vorpommern ein Vorzeigegefängnis für Rechtsradikale bauen. „Is werd jetz ganz viel Kohle auftreim für’n neues Alcatraz, damit die ganzen Aschlochwixa da rein könn!“, gab der Filmstar bei Facebook bekannt. Schon bei seinem Auftritt in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ hatte Schweiger vorgeschlagen, Anwohner, die gegen ein Asylheim protestieren, für eine oder mehrere Nächte einzusperren, damit diese „mal nachdenken könn“. Dies möchte die Til-Schweiger-Foundation nun selbst übernehmen. (Also das Einsperren, nicht das Nachdenken!) Geplant sind neben unangekündigtem Einkerkern auch interne Gehirnwäsche-Maßnahmen. Wer rechts ist, wird anhand eines Kriterienkataloges der Amadeu-Antonio-Stiftung festgelegt. Deren Vorschlag, vorsorglich alle deutschen Anwohner erst mal wegzuschließen, lehnt Schweiger ab. „Zu hoher Aufwand! Wir komm ers, wenn sis so n Anwohnerarsch so ristis was zu schulde komm läßt.“ Beispiel: zu wenige Refugees-welcome-Kekse am örtlichen Bahnhof.

März

In Hamburg wird es ab 2016 kein Ostern mehr geben. Um Mitbürgerinnen und Mitbürger mit nichtchristlichem Hintergrund besser integrieren zu können, lädt die Hansestadt fortan stattdessen vor einem ihrer größten Wahrzeichen zur „Michels Eier-Feier“. Auch der Karfreitag soll langfristig ersetzt werden. Als Alternativ-Event im Gespräch sind eine jährliche „Kreuzparty“ oder ein multikulturelles „Nagelfest“.

Mai

Volker Beck von Bündnis 90/Grüne hat den Friedensnobelpreis und eine Ehrung wegen Zivilcourage für sich selbst gefordert. „Seit Jahren“, so Beck im ZDF-Morgenmagazin, „tingele ich durch die Talkshows und erzähle von dem einen Russen da, der mir auf dem Roten Platz eine Ohrfeige gegeben hat. Doch nichts passiert.“ Beck hatte seinerzeit einer Schwulenparade in Moskau beigewohnt und dabei unliebsame Bekanntschaft mit einem Polizisten gemacht. Beck betont, wie sehr er anschließend beim Kaffeetrinken in einer Moskauer Starbucks-Filiale um sein Leben gefürchtet hat. Den Vorschlag eines CDU-Abgeordneten, er möge eine ähnliche Protestaktion für Homosexuellenrechte in Saudi-Arabien versuchen, lehnt Beck ab – der lange Flug dorthin würde zu sehr das weltweite Klima belasten.

Juli

Ein Passagier auf einem Aida-Schiff muß sich vorm Internationalen Seegericht in Kopenhagen verantworten. Er hatte eine in Seenot geratene Mitreisende im Meer entdeckt und rief „Mann über Bord“, statt der genderkorrekten Form „Person über Bord“. Der Angeklagte gibt sich ahnungslos: „Klar, mir war das beleidigte Gesicht der Frau im Wasser durchaus aufgefallen, und daß sie den Rettungsring verweigerte ebenfalls, doch ich hab’ das echt nicht böse gemeint.“ Die Passagierin, inzwischen wohlauf, läßt das nicht gelten und fordert eine hohe Strafe. „Der Mann soll sich ein Beispiel nehmen an den Männern auf dem Kutter, der mich aufgelesen hat“, sagte die Kielerin im Lokalradio. Ihren Angaben zufolge wurde sie dort beim Herablassen einer Strickleiter geschlechterkorrekt begrüßt mit den Worten „Ey, du geile Sau, hier geht’s lang!“

August

Usain Bolt hat seine Leichtathletik-Titel abgegeben und um die Aberkennung seiner Weltrekorde gebeten. Seine Motive enthüllte der Sprint-Star in USA Today: „Ich hatte ein intensives Telefonat mit Sylvia Löhrmann von den Grünen. Sie überzeugte mich davon, wie ungerecht es ist, wenn Menschen hinterherlaufen müssen.“ Bolt gestand eigene Irrtümer und Fehler ein: „Mein Leben lang glaubte ich, daß Erfolg aus Talent und harter Arbeit resultiert – dank Sylvia weiß ich es nun besser.“ Die NRW-Landesregierung sieht die Aktion auch als Bestätigung ihrer Idee für ein faires Olympia 2032 in Bochum-Wattenscheid, wo in Usain Bolts Königsdisziplin alle Teilnehmer Hand in Hand zeitgleich durchs Ziel laufen sollen. Vergleichbare Methoden im Bildungsbereich haben in NRW bereits zu einer Abitur-Quote von über 100 Prozent geführt.

September

Beim diesjährigen Oktoberfest wird die Stadt München erstmals Gebetszelte für Muslime zur Verfügung stellen. Der Beschluß gilt als großer Erfolg für das „Bündnis islamfreundlicher Menschen beim Oktoberfest“ (kurz: Bimbo), von welchem die Initiative zur Änderung ausgegangen war. „Bimbo begrüßt diese Entwicklung“, teilte der stellvertretende Vorsitzende Alois Wissemann mit. Alle Mitglieder seiner Organisation wollen bei der Zelteinweihung als Zeichen für Toleranz und Menschlichkeit ein Schild hochhalten mit der Aufschrift „Wir sind Bimbo“. Wissemann erhebt schwere Vorwürfe gegen die Druckerei „Ndogu Print“ aus Bad Tölz, die den Auftrag zur Erstellung solcher Schilder abgelehnt hat und vermutet auf seiten der Geschäftsführung einen fremdenfeindlichen Hintergrund.

Oktober

Gunther von Hagens, Erfinder der „Körperwelten“, hat einen Teil seiner Plastinate an einen externen Interessenten veräußert. Es geht um die Exemplare, die von schweren Lungenschäden gezeichnet sind; diese sollen nun im Rahmen einer eigenen Ausstellung gezeigt werden. Titel: „Die Verbrechen des Jan-Philipp Reemtsma.“

November

Zwei Jahre nach dem Tod von Karlheinz Böhm soll die von ihm gegründete Organisation ‘Menschen für Menschen’ umbenannt werden. Grund: Rassismus. „Wir wollen Herrn Böhm nichts Böses unterstellen, doch die getroffene Zuordnung ist ein Affront gegen alle Afrikanerinnen und Afrikaner“, sagte die Vorsitzende des Ethikrates am Institut für Humanlinguistik in Jülich, Renate Fullas. „Der Ausdruck ‘Menschen für Menschen’ suggeriert, daß Hilfe und Unterstützung nur aus einer, also aus unserer Richtung kommt, während die andere Seite lediglich Empfänger von Leistungen sei“, so Fullas. „Dieses Denken unterschlägt die vielen Bereicherungen, die Europa durch Zuwanderung aus Afrika erfährt.“ Die promovierte Soziologin schlägt daher eine neue Firmierung vor: Statt „Menschen für Menschen“ solle die Organisation fortan einfach umgekehrt „Menschen für Menschen“ heißen. Natürlich müßten dann auch sämtliche Visitenkarten und Briefköpfe umgestellt werden, und ebenso sei darauf zu achten, etwaige Inschriften auf somalischen Brunnenbauten anzupassen. Sigmar Gabriel unterstützt das Vorhaben und sicherte 2,5 Millionen Euro aus Bundesmitteln zu.

Dezember

Thomas Roth und Caren Miosga haben ihren sofortigen Rücktritt als Journalisten bekanntgegeben. „Jahrelang haben wir durch suggestive Formulierungen sowie hinterfotzige Unterstellungen und Halbwahrheiten zu massiver Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger beigetragen – wir schämen uns und ziehen nun die Konsequenzen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Roth wird in Billstedt einen Krawattenladen eröffnen, Caren Miosga versucht sich als … Achtung, Eilanmerkung der Redaktion: Es handelt sich hier um eine Falschmeldung. Leider. Ach Menno. Es wär’ so schön gewesen.

JF 53/15

Til Schweiger: Es könnte sein Jahr werden Foto: dpa

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