Es gab kaum Ermittlungsverfahren oder Prozesse

Abkürzungen bieten zuweilen Assoziationen, die der eigentlichen Bestimmung am Ende gar nicht so fremd sind. Stichwort Uno: Würde etwa der Irak in Zentralasien liegen, hätte trefflich von einer Neuauflage des „Great Game“ die Rede sein können. Tatsächlich geht es an dieser Stelle aber nicht um das vor 30 Jahren gegründete und heute meistverkaufte Kartenspiel der Welt, sondern um die weltumspannende Staaten-Organisation mit Sitz in New York, und damit um das größte Korruptionsgeschäft der jüngsten Geschichte.

Grundlage dafür bot das 1996 von der Uno aufgelegte Hilfsprogramm für den Irak unter dem Titel „Öl für Lebensmittel“, bei dem in knapp sieben Jahren etwa 100 Milliarden Dollar flossen – etwa ein Zehntel davon auf die privaten Konten von Diktator Saddam Hussein, der sich damit sein Luxusleben finanzierte und weltweit politischen Einfluß erkaufte, etwa in Rußland und Frankreich.

Möglich wurde dies durch die laxe Ausgestaltung des Programms. Als die Schmiergeldzahlungen 2004 öffentlich wurden, geriet auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan (1997–2006) in die Kritik, der offenbar seine Aufsichtspflicht verletzt hatte. Überdies war dessen Sohn, Kojo Annan, für das in der Schweiz domizilierte Unternehmen Cotecna tätig, das Ende 1998 den Zuschlag für den UN-Auftrag mit dem Irak erhalten hatte. Die daraufhin von der Uno eingesetzte und nach ihrem Vorsitzenden Paul Volcker benannte Untersuchungskommission legte im Jahr 2005 ihren Bericht vor. Demzufolge waren circa 2.500 Einzelpersonen und Unternehmen aus 30 Ländern in die Korruptionsmaschinerie involviert. Doch wie bei dem Kartenspiel Uno war auch hier am Ende alles vorbei, will heißen: Es gab kaum Ermittlungsverfahren oder Prozesse. Die Dokumentation rekapituliert (und durchleuchtet) die einzelnen Etappen dieses Skandals.

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