Die Verwirrung des modernen westlichen Mannes

In der australischen Bergbaustadt Mount Isa sind Männer deutlich überrepräsentiert. So hat dieser Tage John Molony, der Bürgermeister der selbsternannten Rodeo-Hauptstadt Australiens, unattraktive Frauen dazu aufgerufen, nach Mount Isa zu ziehen. Denn die Männer des 25.000 Einwohner zählenden Ortes seien nicht sehr wählerisch. Sein Buhlen um Frauen, die sich ja immer noch vom „häßlichen Entlein in einen wunderschönen Schwan“ verwandeln könnten, rief wütende Proteste hervor. Molony störte dies nicht. Statt dessen ließ er verlautbaren, in Mount Isa seien häufiger „nicht so attraktive Frauen mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht“ zu sehen, was wohl als „eine Erinnerung an den vergangenen oder Vorfreude auf den kommenden Abend“ gedeutet werden könne. Alles andere als glücklich fühlt sich indessen „der Mann“ Westeuropas. Der schon Jahrzehnte währende Feminismus hat ihn in seinem Rollenverständnis derart verunsichert, daß er nur noch stöhnen mag: „Mann, oh Mann!“ Unter diesem Motto steht denn auch der kommende Arte-Themenabend. Unter der an Pete Seegers legendären Protestsong anknüpfenden Frage „Sag mir, wo die Frauen sind“ spürt der französische Filmemacher Cyril de Turckheim dem widersprüchlichen Männerbild der Gegenwart nach. Verlangt doch das weibliche Geschlecht heutzutage nach einem umsorgenden Vater, der präsent ist, zugleich aber viel Geld verdienen soll. Darüber hinaus träumen die Frauen vom virilen Macho-Supermann. Daß so was nicht gutgehen kann, ist logisch. So lauschen wir im Anschluß (21.45 Uhr) den erstmals ausgestrahlten „Penis-Monologen“, einer ebenfalls in Frankreich produzierten Dokumentation, die den zwischen Gender und Geschlecht herumeiernden, androgynen Mann zeigt — ein Bild, das sich, weit entfernt von John Wayne, in der Figur des „Metrosexuellen“ verflüchtigt.

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles