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Feminismus ist en vogue

Es ist ja alles relativ. Wer beispielsweise heute wohlwollend von Manieren spricht, meint eher das „Bitte/Danke“-Sagen und nicht mehr Knicks oder Diener: überkommene Umgangsformen, nicht wahr? Oder betrachten wir das große Bedeutungsfeld der politischen Korrektheit: Kaum ein CDU-Politiker, der nicht hin und wieder über Sprach- und Bewußtseinsreglementierung schimpfen würde – und dennoch keiner, der in seiner Ansprache die „Mitbürgerinnen“ vergißt. Ach, wie korrumpierend der Zeitgeist doch wirkt! Beinahe auf jedermann, erst recht auf jedefrau; ist doch das „Modische“ mit seinen zahlreichen Implikationen nach wie vor weithin ein Metier des wankelmütigen und formbaren Weibes. Ob auch die Namensgebung eines Neugeborenen in den Verantwortungsbereich der Frau fällt, sei dahingestellt. In Deutschland jedenfalls – hier zeigt man sich modebewußter als in anderen Ländern, wo entsprechende Ranglisten sich über Jahrzehnte kaum verändern – zählt Emma seit Jahren zu den beliebtesten Namen. Das war in den Achtzigern noch anders. Wer erinnert sich nicht an Englischklassen, in denen die Namen Emma und Molly schwer zu vergeben waren? Zu naheliegend waren die Assoziationen: die Emanze und das Pummelchen, unelegant und peinlich. Selbst die CDU entblödet sich nicht, groß zu gratulieren Nun schickt sich Emma an, den Leas, Laras und Leonies den Rang abzulaufen. Das kommt nicht von ungefähr, hat sich doch die große Namensschwester Emma deutlich vom hysterieanfälligen Blatt für Kampflesben und frustrierte Mitschwestern zu einem schicken Frauenmagazin gemausert. Anke Engelke – die jüngst zur Auflockerung als Schwarzers Nachfolgerin gehandelt wurde – ist nur eine derjenigen, die Alice Schwarzers Emma zu diesem neuen Chic verhalfen: durch das neue Frauenbild, das sie verkörperte, durch Titelposing, nicht zuletzt durch die Namenswahl ihrer ersten Tochter Emma. Die papierne Emma wird 30. Es ist ein Alter, in dem mensch im günstigen Fall angekommen sein sollte; wenn nicht bei seinen Zielen, so doch auf dem Weg dorthin. Angekommen ist Emma dicke, wenn auch später als ihre telegene Gründerin, die ihrerseits – freilich rein potentielles – Großmutteralter erreicht hat. Vielleicht deshalb paßt Schwarzers übergroßes Porträt auch nur zur Hälfte aufs Titelbild jener Jubiläumsausgabe, in der das Zweimonatsmagazin beileibe nicht nur sich selbst feiert. Als Gratulanten stehen in langer Reihe (ordentlich in einer Spur mit den üblichen Verdächtigen wie Jelinek, Gysi und Künast) an: Johannes B. Kerner, Ursula van der Leyen, Sabine Christiansen und Angela Merkel – gelobt sei dagegen der Schriftsteller Wladimir Kaminer („Mädchen sollten wieder Zöpfe tragen“) für seine wegweisende Stellungnahme. Selbst die CDU und der Focus („30 starke Jahre“) entblöden sich nicht, großformatig ihre Glückwünsche zu formulieren. Feminismus ist en vogue. Womit wir bei den relativen Maßstäben wären: Wer lange vor Emmas Geburt das Recht der Frauen auf Schulbildung einforderte, wer, als Emma noch in den Windeln lag, den Pascha zu einem engagierten Vater wandeln wollte und später den Ritus der weiblichen Genitalverstümmelung als entsetzliches Brauchtum ablehnte, muß heute, um nicht rückständig gescholten zu werden, mindestens die ganze Geschlechterpolitik alias Gender Mainstreaming inhalieren. „Was ist ein Mann in Salzsäure? – Ein gelöstes Problem!“ Forderungen der alten Frauenbewegung sind heute längst erfüllte Selbstverständlichkeiten – wer sich heute noch darauf allein zurückzieht, darf sich die Trottelkrone des abgestorbenen Patriarchats aufsetzen. Mann und Frau, nichts anderes behauptet die Emma seit eh und je und in deutlichem Gegensatz zu ihren vergessenen Schwestern, die den Feminismus feminin halten wollten, sind vorgestrige Kategorien – es lebe der von Bindung, Tradition und Geschlecht emanzipierte Mensch! Das ist das Problem mit der Emma: Auch wenn man ihr Eintreten gegen Magerwahn, Prostituiertengesetz und sexuellen Mißbrauch goutieren möchte, muß man doch gleich den restlichen Quark mitschlucken; Simone de Beauvoir, die Mutterschaft als Frauenfalle, Homoehe, Soldatinnen und Frauenfußball. Im Rahmen eines „Best of“-Kalendariums gibt die Jubiläums-Emma abermals die schärfsten Männer-Witze zum Besten, bei denen frau nicht einmal gedanklich wagt, die globale Minderheit Mann durch eine andere Minorität zu ersetzen. Kostprobe: „Was ist ein Mann in Salzsäure? – Ein gelöstes Problem“. Am Ende ist wirklich alles relativ, Humor genauso wie die Frauenproblematik. Foto: Alice Schwarzer mit dem Jubiläumsheft und der ersten „Emma“: Alte Forderungen sind längst erfüllt

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