Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Der inszenierte Krieg

Im Zweiten Golfkrieg 1991 sah man Fernsehbilder, die an Videospiele erinnerten. Anvisiert aus der Luft, wurden kriegswichtige Ziele per Knopfdruck ausgelöscht, scheinbar steril, also ohne sogenannte Kollateralschäden. Am Ende jedoch entpuppte sich das vom Pentagon produzierte Material als inszenatorische Mogelpackung. Sie kündete nur vom reibungslosen Zusammenspiel zwischen Militärs und Filmindustrie. Die Verbindung zwischen Streitkräften und Filmstudios gibt es in den USA seit langem. Sie wurde während des Ersten Weltkriegs geknüpft und während des Zweiten intensiviert. Zwar kühlte sie im Vietnamkrieg vorübergehend ab, erlebt jedoch spätestens seit den 1980er Jahren einen neuen Höhepunkt. Filme wie „Top Gun“, „Black Hawk Down“, „Air Force One“, „Pearl Harbor“ oder „Der Soldat James Ryan“ sind dafür Beleg, ebenso die Bilder aus dem Zweiten Golfkrieg. Die US-Armee will auch ihr Ansehen verbessern Die Dokumentation „Operation Hollywood – ­ Der inszenierte Krieg“ (Fr., 27. Oktober, 23.05 Uhr, Arte) widmet sich dem historischen sowie aktuellen Beziehungsgeflecht zwischen Pentagon und Filmindustrie. Hollywood etwa setzt momentan verstärkt auf die Re-Inzenierung von Kriegsschauplätzen und nutzt dafür von der Armee zur Verfügung gestellte Militärbasen, U-Boote und Flugzeugträger. Im Gegenzug spricht das Pentagon oft bei den Drehbüchern mit. Jede Seite verfolgt eigene Ziele: Die Studios wollen viele erfolgreiche Filme mit möglichst geringem Budget produzieren. Die Armee wiederum will ihr Ansehen verbessern, das Verteidigungsbudget rechtfertigen und neue Rekruten werben.

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