Joachim Kuhs

 

Randale

Beobachtet man die jüngsten Ereignisse in den Pariser Vororten, dann sind zwei Dinge nicht ganz so neu, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Dank der modernen französischen Literatur ist bereits seit den frühen sechziger Jahren hinreichend bekannt, daß Trabantenstädte und Neubau-ghettos soziale Probleme und Problemfälle verdichten und katalytisch verstärken; gelernt hat scheinbar niemand daraus. Während hierzulande ebenjene Problemgruppen kommunikationstechnisch stark im Hintertreffen sind – sieht man einmal von dem Phänomen ab, daß die ärmsten Menschen meist die neuesten und teuersten Mobiltelefone besitzen – und oftmals die Anschaffung eines internettauglichen Rechners und die laufenden Online-Kosten nicht tragen können oder wollen, hat die vernetzte Kommunikation in Frankreich eine lange Tradition. Bereits in den späten achtziger Jahren hatten die „Minitels“, Telefon-Computer-Hybride mit Bildschirmtext, eine große Verbreitung. Wenig verwunderlich also, daß heute Internet-foren und SMS-Rundrufe zur Organisation und Aufstachelung von Jugendlichen genutzt werden und Weblogs wie bouna93.skybloq. com der Verarbeitung der Ereignisse dienen. EROL STERN

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles