Frohsinn, Fernsehen und Faschismus

Unter dem anheimelnden Titel „Gernsehabend“ reflektiert der RBB die Geburtsstunde des deutschen Fernsehens, das dieser Tage auf seine siebzigjährige Geschichte zurückblickt. Kaum ist der sechzigste Jahrestag der deutschen Niederlage verklungen, berauschen sich die Programmacher an einer frisch-fröhlichen Alliteration des Buchstabens „F“, bei dem man – fürwahr – nichts falsch machen kann: „Frohsinn, Fernsehen und Faschismus“ lautet die Dokumentation, deren Untertitel „Die braune Mattscheibe“ annonciert (Samstag, 3. September, 20.15 Uhr). Da im Berliner Haus des Rundfunks 1935 das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt ausgestrahlt wurde, wird die Entwicklung des neuen Mediums folglich vor dem Hintergrund des Hakenkreuzes nachgezeichnet. Damals Unterhaltung und Propaganda – heute? Zeitzeugen berichten von ihren ersten Fernseherlebnissen: als Zuschauer, Reporter und verwundete Soldaten. Während es im ersten Jahr nicht mehr als fünfzig Empfangsgeräte gab und die Reichweite anfänglich auf den Raum Berlin begrenzt war, wuchs das Interesse im Folgejahr anläßlich der Übertragung der Olympischen Spiele. In eigens eingerichteten Fernsehstuben konnten dreißig Zuschauer auf zwei Geräten fernsehen, deren Bildschirmgröße gerade 18 mal 22 Zentimeter betrug. Wenn es heißt, daß Hitlers Fernsehen „Unterhaltung und Propaganda“ bot, dann mag das stimmen. Aber irgendwie hört sich das auch kurios an: Denn mit Blick auf das heutige TV-Geschehen scheint es, als ziele ein Fokus auf jene zwei Begriffe gar nicht nur ins Gestern.

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