Aussichtsloser Kampf

Ein kleiner Parasit hat über die neuen Bundesländer die ganze Republik befallen: das „Deppen-Apostroph“. Nach der Wende begrüßten zahlreiche Maiks und Do-reens die Amerikanisierung der Gesellschaft. Der deutsche Genitiv wurde von manchem Kleinunternehmer unkorrekt mit englischem Apostroph ausgestattet. Bald bevölkerten „Bürgel’s Obstladen“ oder „Peter’s Imbiß“ das Land. Die Titanic sprach gar von „fünf Neuen Apostroph-Mißbrauchsgebieten“, doch jetzt haben die Rechtschreib-Wächter kapituliert und im neuen Duden – wenn auch vorerst nur in Ausnahmefällen zur Vermeidung von Mißverständnissen – den Gebrauch des „Deppen-Apostrophs“ offiziell erlaubt. Längst hat das Apostroph weitere Nischen heimgesucht. Nicht einmal der englische Sprachbereich kennt „Apostroph-s“-Pluralbildungen, doch schon werden eifrig „Pulli’s“ und „CD’s“ zum Verkauf angeboten. Sprachschützer engagieren sich heldenhaft. Doch erste Vortrupps sind dabei, nun sämtliche Wörter mit S-Endung auszustatten. „Freitag’s Singel-party“, „Spielzeug von Damal’s“ oder „Seelach’s“ wurden bereits gesichtet.

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