Sittenwidrig

Eine richtig tolle Aktion hat Mediamarkt zur Europameisterschaft gemacht. Wer am 2. Juni einen Fernseher gekauft hat, dem versprach das „Ich bin doch nicht blöd“-Unternehmen, daß der Kaufpreis erstattet wird, wenn Deutschland als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgeht. Die Mediamarkt-Bosse haben richtig spekuliert. Unsere Jungs haben eine eher schwache Leistung abgegeben und dadurch nicht einmal die Vorrunde überstanden. Die Kunden haben zuvor massenhaft die Mediamärkte gestürmt und Fernseher gekauft, die sie sich ohne Wette nicht geleistet hätten. Und noch eine andere Fußball-Werbekampagne sorgt für Furore. Oliver Kahn – bei japanischen Frauen als germanischer Hüne seit der WM 2002 sehr beliebt – wirbt für die Kreditgesellschaft Shinki in Japan. Shinki verlangt knapp 29 Prozent Zinsen, obwohl der Leitzinssatz der japanischen Notenbank bei bescheidenen 0,1 Prozent liegt. Kein Wunder: Shinki klingt ja so ähnlich wie Shark (englisch für Hai). In Japan sind etablierte Kreditanstalten sehr knauserig, so daß es Kredithaie wie Shinki leicht haben. „Bankrotte und Selbstmorde verzweifelter Schuldner“ seien die Folge, berichtet der Spiegel. „Kahn sollte nicht in Japan für ein Geschäftsgebaren Reklame machen, das unmoralisch ist und in Deutschland garantiert als sittenwidrig gelten würde“, sagt ein Verbraucherschützer. Solche Appelle werden auf taube Ohren stoßen. Wer erwartet von einem Mann, der seine hochschwangere Frau wegen eines Partyluders sitzenläßt, daß er sich nicht sittenwidrig verhält?

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