Qualmen für Deutschland!

Am Anfang steht das Bekenntnis: Ich bin Raucher. Seit meinem 14. Lebensjahr, ohne Unterbrechung. Nie habe ich ernsthaft versucht, aufzuhören. Denn ich rauche gern. Inzwischen dürfte ich ein kleines Vermögen in alle Winde gepustet haben. Trotzdem bin ich für die Erhöhung der Tabaksteuer. Wie geht das zusammen? Zugegeben, die Erhöhung zum 1. Januar 2004 um schlappe 33 Prozent ist vielleicht ein wenig zu happig ausgefallen. Einschränkungen werden unvermeidlich sein. Doch was bedeutet schon Geld im Vergleich zu dem Bewußtsein, mit meinem Laster Gutes zu bewirken? Nichts. Schließlich rauche ich nicht mehr nur allein zu meinem eigenen Genuß und Vergnügen. Schon seit der letzten Erhöhung der Tabaksteuer dampfe ich im Dienste der Allgemeinheit, für unser aller Sicherheit vor Terroranschlägen. Demnächst nun darf ich auch noch für eine Gruppe von Menschen rauchen, die mir besonders am Herzen liegt: die Mütter. Immerhin soll mit der erhöhten Tabaksteuer künftig das Mutterschaftsgeld finanziert werden. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Die Vorteile der Tabaksteuererhöhung überwiegen die finanziellen Nachteile bei weitem. Da ist zum einen die gesellschaftliche Aufwertung, die Raucher erfahren. Ein Nebeneffekt der Erhöhung der Tabaksteuer wird sein, daß sie die Diskriminierung beendet und uns Raucher aus der Isolierung holt. Wir werden uns nicht mehr in zugigen Hausfluren herumdrücken oder in Lokalen am Katzentisch neben dem Klo Platz nehmen müssen. Kein Raucher muß sich mehr ein schlechtes Gewissen einreden lassen, wenn er sich innerhalb von zehn Minuten schon den zweiten Glimmstengel anzündet. Im Gegenteil, endlich dürfen wir wieder selbstbewußt nach Herzenslust qualmen, notfalls bis der Arzt kommt. Oder der Pfarrer mit den Sakramenten. Egal. Von wegen schwarze Schafe der Nation. Wir sind wieder wer. Umdenken müssen auch die Betreiber der Internetinitiative www.nicht-rauchen-macht-stark.de ., die in ihrer jüngsten Presseaussendung zur Tabaksteuererhöhung das Verdikt proklamieren: Rauchen hat keine Vorteile, für keinen Menschen, zu keiner Zeit. Wirklich? Die Zeiten müssen jedenfalls lange zurückliegen. Spätestens seit Erfindung der Tabaksteuer liegt zumindest der fiskalische Nutzen, den das Rauchen für die Staatsfinanzen hat, auf der Hand. Ohne uns Raucher würde es diesem Land finanziell noch viel schlechter gehen. Allein im letzten Jahr spülte die Tabaksteuer knapp 14 Milliarden Euro ins Staatssäckel. Auf jede Zigarette entfallen 2,32 Cent Mehrwertsteuer und 10,25 Cent Tabaksteuer. Ganz zu schweigen davon, daß Raucher zwischen fünf und neun Jahre früher sterben als Nichtraucher und damit die Rentenkassen entlasten. In einem überalterten Land, in dem bald auf einen Beitragszahler ein Rentner kommt, ist das vorzeitige Ableben von Rauchern ein demographischer Faktor, der bislang viel zu wenig in Rechnung gestellt wird. So dürfen wir Raucher stolz sein, dienen wir unserem Land doch auf vielfältige Weise. Mit dem besten, was wir zu bieten haben: unserem Geld und unserem Leben. Nachtrag: Dieser Artikel ist während sechs Zigaretten geschrieben worden.

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