Gefährdet

Jeder Kleinunternehmer weiß das: Mit dem Finanzamt ist nicht zu spaßen. Wem eine Steuerprüfung ins Haus steht, der durchlebt ein Wechselbad der Gefühle. So oder ähnlich muß es einem Zehnjährigen gehen, der seinen ahnungslosen Eltern ein Zeugnis mit der Aufschrift „Nicht versetzt in die fünfte Klasse“ nach Hause bringt. Wer mit unserem Geld so großzügig umgeht wie unser Staat, der muß das Geld knallhart bei seinen Bürgern einsammeln. Aber die Finanzämter sind nicht immer so zäh, wenn sie ihre Forderungen einzutreiben versuchen. Davon profitierte zum Beispiel Leo Kirch, dessen Filmhandelsfirma Kirch Media beim Bankrott 320 Millionen Euro Schulden beim Finanzamt hatte. Kirch hatte für 550 Millionen Filme in Steuerparadiese verkauft. Seine andere Firma Prosieben Sat1 kaufte die Filme für den dreifachen Preis zurück. Die Staatsanwaltschaft suchte nach Anzeichen für ein Scheingeschäft, scheiterte aber an der unterlassenen Amtshilfe der betroffenen Staaten. So schleppten sich die Prüfungen des Finanzamts bis zur Firmenpleite hin. Jetzt ist es zu spät. Der seinerzeit verantwortliche Minister war Theo Waigel, der übrigens ab 1999 einen Beratervertrag beim Kirch-Konzern übernahm. Leo Kirch bemüht sich indes jetzt um ein Comeback. Das Geld versucht er vom Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer zu besorgen. Breuer hatte in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Vor einem amerikanischen Gericht könnte Kirch jetzt Schadensersatz zugesprochen bekommen. Der Grund: Die Aussage war geschäftsschädigend.

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