Eine Maske für Fifi und Morle

Auf den ersten Blick sieht man-
ches komisch aus. Hunderttau-
sende Amerikaner raffen in ihren Supermärkten zusammen, was man eben gerade so braucht, wenn der Osama ins Wohnzimmer will. Mit Malerutensilien wurde das Zentrum des Familienlebens zum Giftgasbunker umfunktioniert: Folie hinderte den Blick nach draußen, zusätzliches Klebeband soll Milzbrand & Co. den Weg nach drinnen verstellen. Nicht wenig erinnert das ganze an die „Duck and Cover“-Kampagne, mit der seinerzeit das amerikanische Volk in den fünfziger Jahren mental auf einen sowjetischen Nuklear-Angriff eingestimmt wurde. Damals sollte jeder bei der Explosion einer Atombombe unter den Tisch kriechen oder sich zum Schutz einfach eine Zeitung über den Kopf halten – ob das eine bestimmte sein sollte, kann heute keiner mehr ermitteln. Doch die Paranoia geht noch weiter: Auf der Netzseite www.ready.gov . bietet die Behörde für Heimatsicherheit (sollte mal einer in Deutschland drauf kommen) weitere gute Ratschläge gegen den Terror: Allen Ernstes empfiehlt der Staat, sich einen Kanarienvögel zu halten. Der würde sich als guter Frühwarner eignen: „Fällt der Vogel im Käfig von der Stange und bleibt reglos liegen, ist etwas nicht in Ordnung.“ Ja, dann ist er tot und man selbst wahrscheinlich auch schon. Ähnliches ist auch in Israel zu beobachten. Dort nennt man es „Eiserne Wand“, nur ist es alles nicht so spaßig, wie es wirkt. Im ersten Golfkrieg hatten 39 von den irakischen Skud-Raketen die Mittelmeerküste erreicht. Zwar schlugen einige davon ein, explodiert ist jedoch gottlob keine einzige, chemisch oder gar biologisch waren sie ohnehin nicht bestückt. Aber in Tel-Aviv und Haifa – den beiden potentiellen Hauptzielen – geht die Angst um, diesmal könnte es ernst werden. Man denkt einfach an alles: spezielle Plastikschutzhauben für Kinder, die mit lustigen blauen, roten und gelben Bändern am Oberkörper den Nachwuchs wie kleine Astronauten aussehen lassen. Die Version für Babys hat sogar eine Öse, an der das Fläschchen befestigt wird. In Israel wartet man nur nicht, bis der Kanarienvogel tot von der Stange fällt. Hier sorgt man vor: Selbst Haustiere sollen Saddams Waffen nicht ungeschützt ausgeliefert werden. Dank einiger Veterinäre, darunter der Sohn des Schriftstellers Ephraim Kishon, Rafi, haben auch die geliebten Haustiere jetzt eine Chance zum Überleben. Ob sich Hund Fifi, Kater Morle oder Papagei Krex mit Gasmasken albern vorkommen, wurde noch nicht untersucht. Über guten Sitz, Training zum Überstülpen oder die Bewaffnung (na, wenigstens schußsichere Westen könnte der Staat ihnen doch schenken) ist auch kaum debattiert worden. Die Giftgas“bombensichere“ Unterkunft konnte schon eine ganze Weile erstanden werden. Da sind 400 Euro nichts, wenn es darum geht, einen Hundekäfig gassicher zu verpacken. Für den Preis sollte wenigstens eine Wasserfilteranlage für Wuffke mit drin sein! Leider würde bei solcherart „tierischer Bleibe“ der Trick mit dem „Warten-wir-mal-ob-er-umfällt“ nicht mehr so gut funktionieren. Vieles an diesen Ritualen erinnert an den Kalten Krieg: In der DDR gab es mal eine Atomalarmübung, bei der man alle Rolläden schließen sollte und sich in den Keller begeben mußte. Auf keinen Fall sollte sich noch ein Bürger an der frischen Luft aufhalten. Was tat da der taube Nachbar gut, der allem Irrsinn zum Trotz wie ein Bekloppter auf seinen Teppich eindrosch!

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles