Chefredakteur

Stellvertretender Chefredakteur in einer Boulevardzeitung zu sein, war in den letzten Wochen so etwas wie eine Tontaube beim Schützenfest. Da ist zunächst die im Burda-Verlag erscheinende Ost-Illustrierte Super Illu. Deren stellvertretende Chefredakteurin Sabrina Stechel wurde fristlos vor die Tür gesetzt. Sie soll bereits während ihres Studiums für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet haben. Bei der DDR-Nachrichtenagentur ADN habe sie unter dem Decknamen Anne ihre Tätigkeit fortgesetzt. Ihr Arbeitgeber will jetzt alle Mitarbeiter auf ihre Vergangenheit hin durchleuchten, unabhängig von ihrer Herkunft. Ein anderer Stasi-Fall beschäftigt die Bild-Redaktion. Auch ihr stellvertretender Chefredakteur sei Stasi-Agent gewesen. Diese Vorwürfe sind nicht neu. Erst seit jetzt bekannt geworden ist, daß er als IM auch belastende Aussagen gemacht habe, wankt sein Posten in der Springer-Zeitung bedenklich. Schließlich hat der neue Chef der Berliner B.Z., Georg Gafron, seinem Ruf alle Ehre gemacht. „Wo Gafron auftaucht, da rollen Köpfe“, heißt es. Letzte Woche entließ er seinen stellvertretenden Chefredakteur Hansjörn Muder. Dieser wollte einen vernichtenden Beitrag über den ehemaligen Verkehrsminister Günter Krause und dessen alte Skandale veröffentlichen („Der Fall Krause: Das Ende eines Ex-Ministers“), hieß es aus Redaktionskreisen. Krause soll aber ein Freund von Gafron sein. Schade für Muder. Der Konflikt um den Beitrag endete im Streit und der Entlassung des Chefredakteurs.

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