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Medien: Wegen LGBTQ-Anbiederung – Ralf Schuler verläßt „Bild“

Medien: Wegen LGBTQ-Anbiederung – Ralf Schuler verläßt „Bild“

Medien: Wegen LGBTQ-Anbiederung – Ralf Schuler verläßt „Bild“

Ralf Schuler verläßt die "Bild". Er stört sich an der Anbiederung an "lautstarke Micro-Milieus" Foto: picture alliance / Eventpress | Eventpress Stauffenberg
Ralf Schuler verläßt die "Bild". Er stört sich an der Anbiederung an "lautstarke Micro-Milieus" Foto: picture alliance / Eventpress | Eventpress Stauffenberg
Ralf Schuler verläßt die „Bild“. Er stört sich an der Anbiederung an „lautstarke Micro-Milieus“ Foto: picture alliance / Eventpress | Eventpress Stauffenberg
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Wegen LGBTQ-Anbiederung – Ralf Schuler verläßt „Bild“

BERLIN. Der Leiter der Parlamentsredaktion der Bild-Zeitung, Ralf Schuler, hat angekündigt, das Blatt zu verlassen. Laut Medienberichten sei sein Kündigungsschreiben bereits eingereicht. In einem an Springer-Chef Mathias Döpfner und den Bild-Chefredakteur Johannes Boie adressierten Brief, der dem Cicero vorliegt, erläutert Schuler seine Beweggründe.

Anlaß ist ein Anfang Juni von der Welt veröffentlichter Gastbeitrag, in dem eine Autorengruppe um den Münchener Kinder- und Jugendpsychiater Alexander Korte die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beklagte, weil dort, so der Vorwurf, zu positiv über Transsexualität berichtet werde. Der Beitrag wurde anschließend so stark diskutiert, daß sich Springer-Chef Döpfner entschied, einen von ihm verfaßten Meinungsbeitrag als Reaktion zu veröffentlichen. Darin positionierte sich Döpfner deutlich gegen den ursprünglichen Gastbeitrag. „Unser Haus steht für Vielfalt“, schrieb Döpfner. „Statt des freiheitlichen Geistes des ‘jeder soll nach seiner Façon selig werden‘, raunt es hier vom Schutz der ‘sittlichen Überzeugungen der Bevölkerung‘.“ Der Text habe „einen Sound, der für jeden freien toleranten Geist unangenehm ist“.

Schuler kritisiert „stalinistischen Schwulst“ in Teilen der Redaktion

Schuler störte sich an diesem Vorgehen: „Daß wir uns gegen ‘religiösen Extremismus und jede Art von Rassismus und sexueller Diskriminierung‘ wenden, ist gut und wichtig. Jedwede Diskriminierung ist von Übel. Sich gegen Diskriminierung zu wenden, bedeutet aber nicht, sich die Agenda der LGBTQ-Bewegung zu eigen zu machen“, schrieb er. Sexuelle Minderheiten zu tolerieren, bedeute jedoch nicht, „daß wir ‘fest an der Seite der LGBTQ-Community im eisenharten Kampf für Menschenrechte und gegen Diskriminierung‘ stehen, wie es ein stellvertretender Bild-Chefredakteur im täglichen Briefing dieser Tage schrieb. Vom stalinistischen Schwulst der Formulierung einmal abgesehen, stehe ich keiner politischen Bewegung ‘fest zur Seite‘ und halte dies auch ganz grundsätzlich NICHT für die Aufgabe von Journalisten.“

Anstatt „Stimme der Massen und der Vernunft zu sein“, habe der Axel-Springer Verlag jüngst in einem Kommentar die freie Wahl der Geschlechter als eine Frage des Respekts bezeichnet und mußte zwei Tage später vom gleichen Autor die wissenschaftsfeindlichen Auswüchse der gleichen Regenbogen-Community kommentieren, die einen schlichten Bio-Vortrag an der Humboldt-Universität verhindert habe. Dies sei geschehen, „obwohl die Militanz dieser Community von Anfang an bekannt war und ist. Im 21. Jahrhundert verhindern die Ritter des Regenbogens an einer traditionsreichen Forschungsstätte einen Vortrag, der im Grunde biologisches Abitur-Wissen vermitteln wollte“, monierte Schuler.

Schuler: „Lautstarke Micro-Milieus“ sind eine „tödliche Bedrohung des Markenkerns“

Axel Springer produziere „plump-alberne Aufkleber, als sei die sexuelle Orientierung eine Art hipper Lifestyle („oh deer – I’m queer“)“ und mache sich zum Banner-Träger einer Bewegung, die einen festen Gesellschaftsentwurf mit Sprach- und Schreibvorschriften anstrebe und glaube berechtigt zu sein, der Mehrheitsgesellschaft einen politischen Kanon bis hin zum Wechsel des Geschlechtseintrags oder Quotierungen diktieren zu können, kritisierte Schuler. „Es kann auch nicht sein, daß Aktivisten im vorpolitischen Raum – etwa durch Ausladung von Axel Springer von einer Job-Messe – Druck im Sinne ihrer Agenda machen und der Queer-Beauftragte der Bundesregierung öffentlich ‘Hinweise‘ gibt, welchen Wissenschaftlern in der Welt besser kein Forum zu bieten sei.“ Daß in solch einer Situation nicht bei allen Demokraten die Alarmglocken läuteten, verwundere ihn bis heute.

Die Regenbogen-Fahne sei nicht nur ein Zeichen von Toleranz und Empathie, wie wir es gern hätten, sondern auch das Banner einer Bewegung, mit der man sich kritisch auseinandersetzen könne und müsse, mit der man sich aus Schulers Sicht aber keinesfalls gemein machen dürfe. „Vielleicht bin ich auch aus biographischen Gründen besonders sensibel, wenn sich wieder jemand aufmacht, unter den Schlagworten Diversity und Vielfalt ideologische Gesellschaftsentwürfe anzustreben. Kurz: Ich verteidige jederzeit die Freiheit des Einzelnen, schließe mich aber keinen Kampfgruppen welcher Couleur auch immer an und möchte unter der Regenbogen-Fahne genauso wenig arbeiten, wie unter den Flaggen anderer Bewegungen.“

Zudem äußerte er sich besorgt über die Zukunft der Bild-Zeitung. Sollte sich das Blatt weiterhin „lautstarken Micro-Milieus“ und „internationalen Wirtschaftseliten“ anstatt der Mehrheit verpflichtet fühlen, stelle das eine „tödliche Bedrohung des Markenkerns“ dar. (st)

Ralf Schuler verläßt die „Bild“. Er stört sich an der Anbiederung an „lautstarke Micro-Milieus“ Foto: picture alliance / Eventpress | Eventpress Stauffenberg
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