Der WDR äußert sich nicht zu neuen Vorwürfen gegen Nemi El-Hassan Foto: picture alliance / dpa | Kay Nietfeld
Der WDR äußert sich nicht zu neuen Vorwürfen gegen Nemi El-Hassan Foto: picture alliance / dpa | Kay Nietfeld

Israelkritik und Antisemitismus
 

WDR will sich zu neuen Islamismusvorwürfen gegen El-Hassan nicht äußern

KÖLN. Der WDR hüllt sich im Zusammenhang mit weiteren Islamismusvorwürfen gegen die Journalistin Nemi El-Hassan in Schweigen. „Der WDR nimmt die Kritik an Nemi El-Hassan zur Kenntnis. Gleichzeitig bitten wir um Verständnis, daß wir uns dazu inhaltlich aktuell nicht äußern“, sagte ein Sprecher am Donnerstag der JUNGEN FREIHEIT. Der Sender werde „in dieser Angelegenheit sorgfältig in Ruhe und ohne Druck von außen“ eine Entscheidung treffen.

Zuvor waren weitere Islamismusvorwürfe gegen El-Hassan laut geworden. Wie die Bild-Zeitung berichtete, versah die arabischstämmige Journalistin in den vergangenen Monaten mehrere antiisraelische und antisemitische Inhalte auf Instagram mit „Gefällt mir“. Demnach handelte es sich um Inhalte der linksradikalen Organisation „Jewish Voice for Peace“, die die Boykott-Bewegung BDS unterstützt.

Außerdem gefiel El-Hassan ein Beitrag, in dem der Ausbruch palästinensischer Insassen aus einem Gefängnis als „unglaubliche Heldentat“ bezeichnet wurde. Unter den Häftlingen befanden sich dem Blatt zufolge auch Mitglieder islamistischer Organisationen. Auch Einträge, in denen israelfeindliche Parolen wie „Antizionism is a duty“ („Antizionismus ist eine Pflicht“) oder „From the River to the See, Palestine will be free“ („Von dem Fluß bis zum Meer, Palästina wird frei sein“) geäußert wurden, gefielen ihr. Inzwischen soll sie die „Likes“ entfernt haben.

El-Hassan bezeichnete Teilnahme an Al-Quds-Marsch als Fehler

El-Hassan sollte ab Oktober im WDR die Wissenschaftssendung „Quarks“ moderieren. Nachdem bekannt geworden war, daß die 28jährige 2014 am antisemitischen Al-Quds-Marsch teilgenommen hatte, setzte der WDR die Zusammenarbeit vorerst aus. El-Hassan gab daraufhin in einem Interview an, sie habe sich als Jugendliche im Umfeld von Moscheen bewegt, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Die Teilnahme an antiisraelischen Demonstrationen wie den Al-Quds-Marsch bezeichnete sie als Fehler. Sie trage mittlerweile kein Kopftuch mehr und sei seit zwei Jahren nicht mehr in einer Moschee gewesen. Moslemische Organisationen hätten sie dafür scharf kritisiert.

Die „Gefällt mir“-Angaben aus den vergangenen Monaten werfen nun jedoch Fragen auf, inwieweit sich El-Hassan tatsächlich von ihren radikalen Ansichten aus der Vergangenheit distanziert und entfernt hat. Neben Kritik erhielt sie in den vergangenen Tagen jedoch auch Unterstützung. Teils prominente Künstler und Journalisten solidarisierten sich in einem offenen Brief mit der Frau. (ls)

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