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WDR-Filmhaus: Größte Landesrundfunkanstalt erneut in der Kritik
WDR-Filmhaus: Größte Landesrundfunkanstalt erneut in der Kritik Foto: picture alliance/dpa | Horst Galuschka

Mehr als 9.000 Euro pro Quadratmeter
 

Kosten-Explosion bei Sanierung von WDR-Filmhaus: Behörde friert Gelder ein

KÖLN. Wegen explodierender Kosten hat die zuständige Behörde die Sanierung des WDR-Filmhauses in Köln vorerst gestoppt. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) verweigert dem öffentlich-rechtlichen Sender die Zahlung von 69,1 Millionen Euro, berichtet die Bild-Zeitung. Grund dafür sei die Steigerung der Kosten von zunächst 80, auf dann 130 und schließlich 240 Millionen Euro.

„Das im Jahr 1974 erbaute Filmhaus wird entgegen ursprünglichen Planungen nicht sukzessive teilsaniert, sondern in einem Zug in den Jahren 2017 bis 2023 grundsaniert und gleichzeitig modernisiert“, heißt es demnach im 22. Jahresbericht der Kommission für 2020. Die KEF kritisierte, das vom WDR gewählte Anmeldeverfahren zeige „erhebliche Transparenzdefizite“.

Die Behörde forderte den Sender auf, „nicht zuletzt aufgrund der erheblichen Kostensteigerungen die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens“ nochmal zu prüfen und gleichzeitig abzuklären, „ob eine alternative Lösung nicht wirtschaftlicher“ sei. Die gesperrte Summe entspreche den gebildeten Sonderrücklagen für Bausanierung und Investitionen.

Filmhaus sei journalistisches Herzstück: Alternative sei nicht sinnvoll

Wie der Kölner Presseclub vor einigen Tagen berichtet hatte, stellte die KEF in einem internen Vergleich fest, daß die Kosten für die Sanierung deutlich höher seien als etwa ein Neubau bei den WDR-Studios in Bocklemünd oder die Neubauten des NDR-Bürogebäudes in Hamburg. Diese lägen bei 5.566 Euro pro Quadratmeter, die Kosten für die Sanierung des WDR-Filmhauses hingegeben bei 9.256 Euro pro Quadratmeter.

Eine Sprecherin der Rundfunkanstalt sagte der Bild, das Filmhaus sei das journalistische Herzstück des Senders. „Ein Neubau in Bocklemünd wäre daher nicht sinnvoll und auch nicht wirtschaftlicher gewesen. Es hätte zusätzliche Kosten für die Erschließung des Geländes und die technische Anbindung an die Sendezentrale in der Innenstadt gegeben.“ Der Sender gab sich zuversichtlich: „Da das Projekt voll im Kosten- und Zeitplan liegt, ist der WDR zuversichtlich, daß die aktuell gesperrten Gelder im Nachgang eingesetzt werden können.“

WDR gerät wegen Berichterstattung zu Flutkatastrophe in Kritik

Die KEF hielt sich unterdessen bedeckt. „Die Kommission wird sich erneut in ihrem 23. Bericht, der voraussichtlich im Frühjahr 2022 veröffentlicht werden wird, zur Sanierung des Filmhauses äußern.“

Der WDR ist mit rund 4.200 Mitarbeitern und 1,63 Milliarden Euro Zwangsgebühren jährlich die größte Landesrundfunkanstalt Deutschlands. Er war wegen der Berichterstattung vor und während der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz schwer in die Kritik geraten. Anschließend räumte der Sender Versäumnisse ein. (ls)

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