Markus Krall Freiheit oder Untergang
Falschmeldung
Gekennzeichnete Falschmeldung (Symbolbild) Foto: picture alliance / Peter Kneffel/dpa

Kampf gegen gefälschte Meldungen
 

Facebook setzt im Kampf gegen „Fake News“ auf Correctiv

BERLIN. Facebook hat angekündigt, künftig verstärkt gegen sogenannte „Fake News“ vorzugehen. Dazu werde das soziale Netzwerk in Deutschland mit der Recherchegruppe Correctiv zusammenarbeiten.

Demnach sollen Nutzer die Möglichkeit bekommen, Beiträge als potenzielle Falschmeldungen zu melden. Die Correctiv-Mitarbeiter werden diese dann prüfen und gegebenenfalls als zweifelhaft markieren. Am Ende werde neben einem Beitrag mit als falsch erkannten Informationen ein entsprechender Warnhinweis stehen.

Beiträge sollen markiert aber nicht grundsätzlich gelöscht werden

„Das Posting an sich verschwindet nicht auf der Plattform, wir verstecken es nicht, Leute können es weiterhin teilen“, erklärte Facebook-Manager Guido Bülow die Pläne. Die Warnung bleibe aber bei der weiteren Verbreitung angeheftet.

Auch das Anhängen eines weiterführenden Links zu einem Artikel mit tatsächlichen Fakten sei im Gespräch. Zudem könne es sein, daß bei unglaubwürdigen Artikeln die Sichtbarkeit reduziert werde. Beiträge, die gegen Gesetze oder Facebooks Richtlinien verstoßen, sollen gelöscht werden.

Correctiv bekomme kein Geld

Außerdem sollen wie in den USA die Möglichkeiten eingedämmt werden, mit gefälschten Meldungen Geld zu verdienen. „Wenn es sich um Klickschleudern handelt, die in der Vergangenheit schon häufiger mit Fälschungen aufgefallen sind, könnte es für das System ein Signal sein, sie eher herauszufiltern“, so Bülow weiter.

Facebook betonte, Correctiv bekomme kein Geld. „Es wird schwer werden, das Geld unserer Spender dafür auszugeben, Facebook zu heilen“, schrieb der Leiter des Recherchezentrums, David Schraven, in einem Facebook-Eintrag. Langfristig müsse man sehen, welche Finanzierungsformen es gebe.

Aktueller Ansatz alleine reicht nicht aus

Man sei jedoch froh, daß dieser Vorstoß von Facebook nun beschritten werde. „Wir sind davon überzeugt, daß dieser Ansatz alleine nicht ausreicht, Fake News nachhaltig zu bekämpfen“, schränkte Schraven gleichzeitig ein.

Ob das aktuelle Modell dauerhaft funktioniere, werde sich herausstellen. Die Zeit sei knapp: „Die entscheidende Richtungswahl ist im Mai in NRW, dem bevölkerungsreichsten Bundesland.“ Facebook will im Kampf gegen gefälschte Nachrichten noch weitere Partner gewinnen.

Correctiv gründet Online-Journalistenschule

Parallel gab Correctiv bekannt, eine Online-Journalistenschule zu gründen. Die „Reporterfabrik“ wolle mit Lehrgängen für Bürger- und Profijournalisten dazu beitragen, „die Glaubwürdigkeit der veröffentlichten Meinung zu stärken“, heißt es in einer Projekt-Präsentation. „Unser Ziel: die redaktionelle Gesellschaft.“

Der normale Bürger solle damit die Grundlagen des journalistischen Handwerks vermittelt bekommen und ihn befähigen Desinformation zu erkennen. „Das ist unser Versuch, die aufklärerische, konstruktive, solidarische Vision des Netzes zu verteidigen gegen die dunkle Seite, gegen Hass, Fake-News, Desinformationen und Trash“, schreibt Schraven dazu in einem Online-Beitrag bei correctiv.org.

Für das Projekt konnte Cordt Schnibben gewonnen werden, der dafür nach rund 30 Jahren den Spiegel verläßt. Partner sind das von Schnibben gegründete „Reporter Forum“ und das „netzwerk recherche“. Unterstützer sind unter anderem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo oder ZDF-Moderator Claus Kleber. Das Angebot soll für nicht-professionelle Journalisten gratis sein. Die ersten Workshops sollen starten, sobald genügend Sponsoren für die Anschubfinanzierung in ungenannter Höhe gefunden sind. Die Gründer hoffen auf die Landesmedienanstalten, auf Stiftungen und Unternehmen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Auch eine Kooperation mit den Volkshochschulen stehe im Raum. (gb)

Ein ausführlicher Bericht zu den Hintergründen von Correctiv erscheint am Freitag in der kommenden Ausgabe der JF.

Gekennzeichnete Falschmeldung (Symbolbild) Foto: picture alliance / Peter Kneffel/dpa
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