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Zensurvorwürfe gegen „taz“
 

Wahlkampf diktiert Inhalt

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Ines Pohl: Zensurvorwürfe gegen linke Tageszeitung Foto: picture alliance/dpa

Bei der taz ist ein Richtungsstreit entbrannt: Es geht um die Frage, wie die Zeitung mit den Pädophilievorwürfen gegen die Grünen umgehen soll. Eigentlich ist die Linie klar: Gegenüber den Grünen ist größtmögliche Zurückhaltung angesagt, jedenfalls im Wahlkampf. In der Vorwoche erschien eine Ausgabe mit dem Schwerpunktthema Pädosex bei den Grünen.

Sie hätten sich inzwischen „eindeutig von Pädophilen“ abgegrenzt, hieß es dort. Der Fall war damit für die taz erledigt. Überschrift der Ausgabe: „Aufgeklärt!“ Der langjährige taz-Redakteur Christian Füller gehört zur Minderheitenfraktion, die das anders sieht. Für ihn ist die Angelegenheit nicht abgeschlossen.

Rußland statt Grünen-Aufarbeitung

Er sieht die Grünen inmitten einer „ideologischen Kernschmelze“. Pädophilie sei „in ihrer Ideologie angelegt gewesen“. Der 49jährige fragte in seinem Artikel für die sonntaz vom zurückliegenden Wochenende: „Wieso wurde offene pädokriminelle Propaganda einfach hingenommen?“

Sein Meinungsbeitrag sollte mit den Grünen abrechnen. Er ist aber nie erschienen. Die Sonntagsausgabe der taz brachte auf Seite 19 stattdessen den Artikel „Regenbogen reicht nicht“, in dem die Forderung aufgestellt wird, die Olympischen Spiele von Sotschi wegen der Anti-Homo-Gesetze in Rußland zu boykottieren.

Eine Parteizeitung?

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier (FAZ, Spiegel) berichtet, taz-Chefin Ines Pohl habe das Erscheinen des Grünen-kritischen Stücks auch aus wahltaktischen Gründen verhindert. Von Zensur ist die Rede. Angeblich gibt es eine Reihe weiterer taz-Mitarbeiter, die zu Füller halten. Füller hat mit Niggemeier gesprochen und weitere, wesentliche Details zur grünen Blattlinie preisgegeben.

Nun werden immer wieder Artikel von Chefredakteuren gekippt. Aber selten wird Streit so öffentlich ausgetragen wie im vorliegenden Fall. Nur Ines Pohl hat sich noch nicht dazu geäußert. Niggemeier, der den nichtgedruckten Artikel auf seiner Internetseite veröffentlicht hat, fragt, ob die taz das grüne Gegenstück zum Bayernkurier sei, der auch niemals Kritik an der CSU-Parteilinie drucken würde.

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