DÜSSELDORF. Nach der mutmaßlichen Sabotage an einer Bahnstrecke zwischen Duisburg und Düsseldorf am Donnerstag hat die Polizei noch einen zweiten Anschlagsort entdeckt. Der dortige Brandschaden wurde bei der Begehung der Strecke am Freitag gesichtet, rund zwei Kilometer vom anderen Brandort entfernt, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
„Wir gehen davon aus, daß beide Anschläge gleichzeitig verübt wurden“, betonte ein Polizeisprecher demnach. Am Donnerstag hatte ein Lokführer nach dpa-Informationen zunächst an einer anderen Stelle Rauch aus einem Kabeltunnel aufsteigen sehen. Dort hatten Unbekannte offenbar eine Zündvorrichtung platziert. Durch den Sabotageakt kam es zu Störungen im Bahnverkehr.
Bahnverkehr weiter beeinträchtigt
Am Freitagmittag gab ein Sprecher der Bahn an, daß ICE-, IC- und EC-Züge zwischen Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg und Düsseldorf von Beeinträchtigungen betroffen seien. „Unser Personal vor Ort arbeitet unter Hochdruck an der Störungsbeseitigung.“ Die Störung werde voraussichtlich bis Samstag andauern.
Die Hintergründe sind noch unklar. Am Donnerstag tauchte aber ein Bekennerschreiben auf der linksextremen Szeneplattform Indymedia auf. Darin bekannte sich ein „Kommando Angry Birds“ zu einer „Störung“, die man „versucht“ habe. „Jede Störung des Bahnverkehrs hier hat direkt oder indirekt durch Umleitungen der betroffenen Züge Auswirkungen auf diesen Wirtschaftsraum“, betonte die Gruppe. Damit bezog sie sich auf den Raum zwischen den Niederlanden und Norditalien.
Das Bekennerschreiben verweist dann auf die Schrift „Was ist der Dritte Stand?“ von Emmanuel Joseph Sieyès, einem Theoretiker der Französischen Revolution. Die Linksextremisten münzen dessen Gedanken aber um: Wo Sieyès vom Dritten Stand und von dessen Ermächtigung gesprochen hatte, weisen sie nun auf „die Natur“ hin. Das Schreiben kritisiert dann die „Mainstream-Umweltbewegung“ und die „etablierte Klimabewegung“, weil diese sich „dem Dienst der Mächtigen“ widmeten beziehungsweise „die Industrie“ befürworteten.
Unklar, ob das Schreiben authentisch ist
„Die Zeit, an einer Versöhnung der Seiten zu arbeiten, ist vorbei“, heißt es weiter. „Welche Hoffnung auf Übereinstimmung kann es geben zwischen der Energie der Unterdrückten und der Wut des Unterdrückers?“ Mit Blick auf die Abwanderung von Wirtschaftsunternehmen betont das Schreiben: „Meine Güte, was für ein Segen wäre es für das Land, wenn diese große und wünschenswerte Abwanderung erreicht werden könnte. Wie einfach wäre es, ohne die Konzerne auszukommen! Wie unmöglich dagegen, sie zur Nachhaltigkeit zu bringen!“
Ob die Bekennerschrift authentisch ist und wirklich von der Gruppe kommt, die den Anschlag zu verantworten hat, ist unklar. Es könnte sich auch um die Aktion von Trittbrettfahrern handeln. (ser)