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Berlin: Geplante Dokumentationsstelle für religiöses Mobbing sorgt für Kritik

Berlin: Geplante Dokumentationsstelle für religiöses Mobbing sorgt für Kritik

Berlin: Geplante Dokumentationsstelle für religiöses Mobbing sorgt für Kritik

Pausenhof einer Hamburger Schule (Archivbild)
Pausenhof einer Hamburger Schule (Archivbild)
Pausenhof einer Hamburger Schule (Archivbild) Foto: picture alliance / dpa | Maja Hitij
Berlin
 

Geplante Dokumentationsstelle für religiöses Mobbing sorgt für Kritik

BERLIN. Die geplante Dokumentationsstelle zu religiösem Mobbing an Schulen im Berliner Bezirk Neukölln hat Kritik ausgelöst. Der „Verein für Demokratie und Vielfalt in Schule und berufliche Bildung“ will eine Stelle einrichten, bei der Lehrkräfte Fälle von religiösem Mobbing melden können und Hilfe im Umgang damit erhalten sollen.

Hintergrund ist eine Studie des Vereins, die Ende des vergangenen Jahres für große Aufregung gesorgt hatte. Darin hatten neun von zehn Neuköllner Schulen von religiösem Mobbing berichtet. Die befragten Pädagogen beklagten vor allem den wachsenden Einfluß von Koranschulen und Moscheen auf die Schüler.

„Dann will man Israel aus dem Atlas herausschneiden“

Eine Frau türkischer Herkunft berichtete, sie könne im Sommer kein kurzes Kleid anziehen. „Ich muß darauf achten, was ich allen Ernstes anziehe.“ Eine Hortleiterin sagte: „Nur Araber dürfen beim Fußball mitspielen.“ In mehreren Fällen seien Lehrerinnen mit moslemischem Hintergrund dazu gedrängt worden, Kopftuch zu tragen. Eine Schulleiterin beklagte: „Und dann will man Israel aus dem Atlas herausschneiden und übermalen. Das kommt immer mal wieder vor.“

Das Bundesfamilienministerium hatte dem Verein und dem Bezirksamt Neukölln eine dreimonatige Evaluation und damit die Fördermittel für diese „Bestandsaufnahme konfrontative Religionsbekundungen in Neukölln“ bewilligt. Mehrere Politiker der SPD, CDU, FDP und AfD forderten daraufhin die dauerhafte Förderung der Anlauf- und Dokumentationsstelle. Grüne und Linkspartei lehnten dies jedoch ab und warnten vor einer Herabsetzung moslemischer Jugendlicher.

Nun haben sich auch mehrere Wissenschaftler und Pädagogen zu Wort gemeldet, die sowohl vermeintliche Fehler an der Bestandsaufnahme kritisierten, als auch Kritik an der geplanten Anlaufstelle äußerten. Die Bildungsforscherin an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, Ellen Kollender, warnte am Dienstag in einer Online-Veranstaltung vor einer möglichen „Stigmatisierung“ von Moslems.

Der Geschäftsführer des Vereins Ufuq, der Lehrkräfte und Behörden berät, Götz Nordbruch, warnte, es sei falsch, den Fokus nur auf „rigide Religionsvorstellungen“ zu legen. Sinnvoller sei es, auch die Probleme der Jugendlichen aufzugreifen, die Rassismus erlebten und in der Schule oft keine Antworten auf religiöse Fragen erhielten, ergänzte Nordbruch laut der Nachrichtenagentur dpa.

„Diversität auch im Schulalltag abbilden“

Wenn in bestimmten Schulen 90 Prozent der Schüler Migrationshintergrund hätten, müßten diese schauen, ob sie bereit seien, „diese Diversität auch im Schulalltag abzubilden“, etwa auch, wenn es darum gehe, neben Weihnachtsfeiern auch Platz für islamische Feste zu schaffen, mahnte der Islam- und Sozialwissenschaftler.

Lob an den Plänen, die Dokumentationsstelle dauerhaft zu fördern, kam von der Frankfurter Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter. „Die Demonstration der angeblichen Überlegenheit des Islam und das Erzeugen von Druck auf säkulare Musliminnen und Muslime, wie sie in den konfrontativen Religionsbekundungen beobachtet werden können, gehören zum festen Repertoire islamistischer Akteurinnen und Akteure“, schrieb sie in einem Evaluierungsbericht.

Laut der Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam würden derartige Verhaltensweisen auch deshalb angenommen, weil sie „mit Stärke und Überlegenheit assoziiert“ würden. Wo sich islamistische Ideologien durchsetzten, gerate der Schulfrieden in Gefahr und die Teilhabechancen von Schülern vor allem aus benachteiligten Familien würden stark beeinträchtigt. Deshalb sei es notwendig, das Problem zu erfassen und Maßnahmen dagegen zu entwickeln. (ls)

Pausenhof einer Hamburger Schule (Archivbild) Foto: picture alliance / dpa | Maja Hitij
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