Georg Baetzing
Georg Baetzing: Kompromiß-Kandidat Foto: picture alliance/Pressebildagentur ULMER
Neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz

Die Liberalisierung geht weiter – aber weniger konfrontativ

„Congrega unum“ heißt der Wahlspruch des Limburger Bischofs Georg Bätzing – Führe zusammen. Angesichts der Konfliktlinien, die zwischen lehramtstreuen und progressiven Kräften in der katholischen Kirche verlaufen, ist ein solches Motto dringend nötig.

Das zeigt bereits die Wahl Bätzings zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am heutigen Montag. In den ersten beiden Wahlgängen erreichte keiner der Kandidaten eine Zweidrittelmehrheit. Erst im dritten Wahlgang konnte sich Bätzing gegen seinen Mitbewerber, den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, durchsetzen. Es reichte die einfache Mehrheit.

Anders als Overbeck gilt Bätzing nicht als „politischer“ Kandidat. Er teilt jedoch die progressive Linie, die sich mittlerweile bei der Mehrheit der Bischöfe durchgesetzt hat. Dem „Synodalen Weg“, der mit seinen Vorstößen zum Zölibat und zur Frauenweihe die Lehre der katholischen Weltkirche offen herausfordert, steht der Limburger Bischof positiv gegenüber.

Mit der Mehrheitsmeinung in Kirche und Gesellschaft

„Ich habe mich im Vorfeld stark für den Synodalen Weg eingesetzt und werde das weiter tun“, sagte der 59jährige bei seiner Silvesterpredigt. Die Bischofskonferenz hat damit ein deutliches Signal an Rom gesendet, daß sie den „Reformprozess“ nicht beenden will.

Bätzing, der aus der Gemeinde Kirchen in Rheinland-Pfalz stammt, gilt damit als Kompromiß der DBK: die Botschaft der Liberalisierung bleibt klar, aber die Persönlichkeit ist weniger konfrontativ als die seines Vorgängers Reinhard Kardinal Marx. Im direkten Kontrast wirkt Bätzing sogar blaß. Klare Akzente hat er bisher keine gesetzt.

Stattdessen schwamm er mit der Mehrheitsmeinung in Kirche und Gesellschaft. Typisch wird das bei seiner Position zum Zölibat: „Ich glaube, es schadet der Kirche nicht, wenn Priester frei sind, zu wählen, ob sie die Ehe leben wollen oder ehelos leben wollen.“ Gleichzeitig betonte er: „Mir ist der Zölibat viel wert. Denn so hat Jesus gelebt. Als Priester will ich nicht nur Funktionär und Beamter sein, sondern will eigentlich in seinen Fußstapfen gehen.“

Eigentlich. Ähnlich verhält es sich bei der Frage um die Rolle der Frau in der Kirche. Die bedürfe „gründlicher Diskussionen“, denn die Einstellung dazu sei in der Kirche „ja durchaus kontrovers und emotional verankert“. Aber es brauche „Entwicklung in diesen Fragen“.

Ausfälle wie die von Marx sind ihm bislang fremd

Auch bei gesellschaftlichen Debatten wie der Migrationskrise betonte Bätzing zwar, daß das christliche Gottesbild keine Kompromisse kenne. „Wer sich auf das Christentum und auf das Abendland beruft, kann sich nicht gleichzeitig vom Leid der Welt abgrenzen, auch nicht von der Not der Flüchtenden“, sagte Bätzing.

Ausfälle wie die von Kardinal Marx, der sich gegen „rechtsnationale Tendenzen“ stellte und einen offenen Kampf gegen eine politische Partei führte, sind dem neuen Vorsitzenden der DBK dagegen fremd.

Dabei existiert eine Kontinuitätslinie zwischen Marx und Bätzing. Der Cousin der SPD-Politikerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler war lange Zeit im Bistum Trier mit wichtigen Aufgaben betraut. So war er Vorsteher des bischöflichen Seminars, Leiter des Euchariuswerkes und später Generalvikar.

Hier war er an einer umstrittenen Reform beteiligt, die 887 Pfarreien zu 35 Pfarreien zusammenlegen sollte. Der Vatikan hat das Projekt mittlerweile gestoppt. 2007 wurde Bätzing vom damaligen Bischof Marx zum Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrt berufen. Der Heilige Rock von Trier steht für die Unteilbarkeit der Kirche. Bekanntlich hat man diesen irreversibel verändert, als man ihn mit modernen Methoden zu retten versuchte.

Georg Baetzing: Kompromiß-Kandidat Foto: picture alliance/Pressebildagentur ULMER

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