Der Geschäftsführer des Flüchtlingsrates Niedersachsen, Kai Weber, macht der Polizei Vorwürfe (Archivbild) Foto: (c) dpa
Niedersachsen

Flüchtlingsrat kritisiert Polizei nach tödlichen Schüssen auf Afghanen

STADE. Der niedersächsische Flüchtlingsrat hat das Vorgehen der Polizei kritisiert, nachdem ein Beamter am Samstag abend einen afghanischen Asylbewerber in Stade erschossen hatte. Zuvor hatte der Mann die Beamten mit einer Hantelstange angegriffen, meldete die Polizei. Der Mann war bereits polizeibekannt. Daher waren vorsorglich zwei Streifenwagen zum Einsatzort geschickt worden. Versuche, den Flüchtling mit Pfefferspray zu stoppen, hatten keine Wirkung gezeigt.

Der Afghane soll psychische Probleme gehabt haben, berichtete das Stader Tagblatt. „Wenn die Polizei vorab über die Problematik informiert war, kann es eigentlich nicht überraschend sein, daß der Mann nicht angemessen reagiert“, sagte der Geschäftsführer des niedersächsischen Flüchtlingsrates, Kai Weber, der taz. Die Polizei müsse auf solche Reaktionen gefaßt sein.

Kriminologe: Kein Grund zur Waffe zu greifen

Auch der Bochumer Kriminologe Thomas Feltes machte den Beamten Vorwürfe. Der Angriff mit der Hantelstange sei „ganz klar kein Grund, zur Waffe zu greifen“, da man ausweichen könne. Statt die Situation sofort lösen zu wollen, sei in solch einem Fall ein Psychologe einzuschalten und gegebenenfalls ein Sondereinsatzkommando zur Verstärkung zu rufen.

Der Fall erinnert an die Debatte um das Würzburger Islamisten-Attentat. Im Juli 2016 hatte ein mutmaßlich afghanischer Asylbewerber Passagiere in einem Zug bei Würzburg mit einer Axt angegriffen. Die alarmierten Polizisten erschossen den Mann. Die Grünen-Politikerin Renate Künast kritisierte darauhin, daß man den Täter nicht bloß kampfunfähig geschossen habe. (ag)

Der Geschäftsführer des Flüchtlingsrates Niedersachsen, Kai Weber, macht der Polizei Vorwürfe (Archivbild) Foto: (c) dpa

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