Wiedererrichtung eines Denkmals des „Soldatenkönigs“

Potsdam lehnt 50.000-Euro-Spende ab

POTSDAM. Die Stadt Potsdam hat 50.000 Euro ausgeschlagen, die ein Spender ihr in seinem Testament vermacht hat. Der Grund: „Die Summe war an die Bedingung geknüpft, ein bis zu seiner Zerstörung im ehemaligen Lustgarten befindliches Denkmal König Friedrich Wilhelms I. wieder zu errichten“, erklärte Stadtsprecher Jan Brunzlow in der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). „Die Landeshauptstadt Potsdam hat das Erbe in diesem Fall nicht angenommen.“

Zwar sei laut einer Prüfung eine Aufstellung einer Statue des sogenannten „Soldatenkönigs“ und Vaters Friedrich des Großen prinzipiell machbar, aber ohne das „militaristische Brimborium“ in der Verzierung des Sockels, so Lustgarten-Architekt Albert Dietz.

Grüne haben kein Interesse

Am Ende lehnte das Rathaus das Projekt offiziell gänzlich ab: „Im Ergebnis der mittel- bis langfristigen Planung sieht der Masterplan für die weitere Entwicklung des Neuen Lustgartens Anpassungen im Bereich des Festplatzes vor. Die Aufstellung von Denkmalen gehört nicht dazu.“

Vor allem die Grünen hatten kein großes Interesse an dem Standbild. Saskia Hüneke, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, betonte in der MAZ, sie habe „ein Problem damit, den Denkmalkult des 19. Jahrhunderts in Form von Nachgüssen wiederzubeleben“.

Damit stehen die gesamten 50.000 Euro nicht zur Verfügung, denn „dem Vorschlag, die Nachlaßsache für die weitere Restaurierung der Ringerkolonnade und deren Skulpturenschmuck zu verwenden, konnte leider seitens des Testamentsvollstreckers nicht entsprochen werden“, erläuterte Stadtsprecher Brunzlow.

Andere Städte haben kein Problem

Kritik kam vom Vorsitzenden des Bauvereins für den Potsdamer Stadtkanal, Willo Göpel. „Den Soldatenkönig zu verdrängen, wird in Potsdam nicht funktionieren“, betonte der Historiker in der MAZ. Seine Person sei zu eng mit der Geschichte der Stadt verwoben. Er habe Potsdam erst zu wirtschaftlicher Blüte verholfen. „Friedrich Wilhelm I. war nicht nur der Begründer des Stadtkanals, sondern der eigentliche Gründer unserer Stadt.“

Andere Städte hätten auch kein Problom mit Bildnissen des „Soldatenkönigs“. In Berlin stehe ein Denkmal des Monarchen sogar „ohne Beanstandung“ vor der Bundeszentrale der Linkspartei. (gb)

Auf Rügen hat man weniger Probleme mit dem preußischen Erbe: Standbild von Friedrich Wilhelm I. in Groß Stresow Foto: picture alliance / dpa

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