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50.Todestag von C.S. Lewis
 

Christlicher Freigeist

Die Zahl brillanter Denker, die gleichzeitig fromme Christen waren, ist überschaubar. Zu groß ist für viele die intellektuelle Diskrepanz zwischen biblischer Lehre und eigenem geistigen Anspruch. Die wenigen allerdings, denen dieser Spagat gelingt, werden nicht selten zu den größten Apologeten christlicher Theologie. Ein besonders herausragendes Beispiel hierfür ist der am 22. November 1963 gestorbene Literaturwissenschaftler C.S. Lewis.

Lange Gespräche mit seinem Freund und Oxford-Kollegen, J.R.R. Tolkien, der selbst bekennender Christ war, schufen Lewis einen intellektuellen Zugang zur Religion seiner Kindheit, von der er sich im Jugendalter losgesagt hatte. Es ist diese Synthese von Glaube und Verstand, die Lewis noch heute zum meistgelesenen Autor für Agnostiker macht. Sein Buch „Pardon, ich bin Christ“ verkaufte sich mehrere Millionen Mal. Darin erteilt Lewis dem utilitaristischen Gottesbild progressiver Theologen ebenso eine Absage wie dem Festhalten an überkommenen kirchlichen Dogmen.

Rigoroses Christusbild

Sein Eintreten für die Evolutionslehre, die Ablehnung des calvinistischen Dogmas von der völligen Verderbtheit und nicht zuletzt sein in „Die große Scheidung“ skizziertes unorthodoxes Bild von Himmel und Hölle würden ihm in vielen evangelikalen Kirchen heute wohl Gemeindezucht einbringen. Bemerkenswert ist die Rigorosität seines Christusbilds: „Man kann ihn als Verrückten einsperren, ihn anspeien und als Teufel umbringen oder aber zu seinen Füßen niederfallen und ihn Herr und Gott nennen. Doch den groben Unsinn, ihn als großen humanistischen Lehrer hinzustellen, sollten wir bleibenlassen. Diese Möglichkeit hat er selbst uns nicht gelassen“, schreibt Lewis den Humanisten ins Stammbuch, die Jesus als Vertreter ihrer Zunft vereinnahmen.

Der feinfühlig argumentierende gebürtige Ire hatte stets auch ein Publikum jenseits der Insel im Auge. Seine antitotalitären Warnungen vor Ideologien, die sich anschickten, die Menschen im hedonistischen Sinne zu konditionieren, sind prophetisch für unsere heutige Zeit. Mit der Kinderbuchserie „Die Chroniken von Narnia“ schuf Lewis den positiven Gegenentwurf zu dieser Konditionierung. Noch im Alter von 57 Jahren heiratete Lewis die Schriftstellerin Joy Gresham. Die Ehe währte vier Jahre, bis sie 1960 an Krebs starb. Lewis folgte ihr drei Jahre später – eine Woche vor seinem 65. Geburtstag.

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