Werk der Gerechtigkeit

Wenn dieser Tage mit öffentlichen Verleumdungen versucht wird, das Ansehen Papst Benedikts XVI. niederzutreten und die katholische Kirche in die Nähe des Nationalsozialismus zu drängen, werden Erinnerungen wach. Denn vor über vierzig Jahren wurde in Deutschland schon einmal eine wütende Philippika gegen einen Papst losgetreten.

Einen „Heuchler“ und „Lügner“ nannte kürzlich der Fernsehmoderator und CDU-Politiker Michel Friedman das heutige Oberhaupt der katholischen Kirche. Einer dessen Vorgänger, Papst Pius XII. (1876–1958), wurde von dem Schriftsteller Rolf Hochhuth einst als „Verbrecher“ gebrandmarkt. Sein 1963 erschienenes Stück „Der Stellvertreter“ geriet zur postumen Verfluchung einer Persönlichkeit, welche die katholische Kirche durch die schwierige Zeit des Zweiten Weltkriegs leitete.

Heute kann als gesichert gelten, daß Hochhuth bei seiner unwissenschaftlichen Recherche wohl vom DDR-Geheimdienst „unterstützt“ wurde. Präsent geblieben ist jedoch in der Öffentlichkeit das Bild eines Papstes, der den Nationalsozialismus als wiedererstandenes Heiliges Römisches Reich unterstützte. Um eine klärende Sichtweise bemüht sich zum 50. Todestag Pius’ XII. eine Ausstellung des päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, die erstmals im Herbst 2008 in Rom zu sehen war und nun in der deutschen Hauptstadt angekommen ist. In Berlin wird die Ausstellung auch deshalb gezeigt, weil Pius XII., geboren 1876 als Eugenio Pacelli, hier (und in München) jahrelang als Apostolischer Nuntius wirkte. Ihm zu Ehren trägt die ehemalige Cäcilienallee im Bezirk Zehlendorf den Namen Pacelli-Allee.

Die Ausstellung zeigt etliche Originale unter anderem aus dem Besitz des römischen Pacelli-Archivs, der Bauhütte von St. Peter, den Vatikanischen Museen und der Liturgischen Schatzkammer des Papstes. Es ist keine Kunstausstellung im üblichen Sinne, auch wenn man immer wieder Kunstwerke entdecken kann, etwa einen zeitlosen Rouault oder einen lichten kleinen Utrillo. Raumbeherrschend leitet das Gipsmodell für das Denkmal zu Ehren Pius’ XII. in der Vatikanbasilika die Ausstellung ein. Unter der hohen Tiara und im prachtvollen Papstornat tritt uns ein Asket entgegen, die Hand zum Segen erhoben. Dahinter an der Wand programmatisch das Pius-Zitat: Opus Justitiae Pax („Das Werk der Gerechtigkeit ist der Frieden“).

Hier beginnt die Folge der zahlreichen chronologisch und inhaltlich geordneten Texttafeln, die durch Gestaltung und knappe Information fesseln; ergänzt durch Originale, die spannungsvoll im Raum aufgebaut sind. Dem vom Vatikan beauftragten Ingo Langner, eigentlich Regisseur und Filmemacher, ist eine Gestaltung gelungen, die den oft mißlingenden Spagat zwischen umfassender Information und angemessener Objektpräsentation meistert. Die Palette der Exponate ist breit. Sie reicht von Briefen, Dokumenten, Fotos, Alltagsgegenständen, Medaillen, Gewändern, Kunsthandwerk bis zu Malerei und Plastik. Es sind oft sehr persönliche Dinge zu sehen, die uns den Menschen und die Zeit näherrücken.

Ein sorgfältig geschriebenes Gedicht des 13jährigen Eugenio Pacelli ist „an ein Mädchen“ gerichtet. Auf der Olivetti-Reiseschreibmaschine schrieb er später als Pius seine Reden. Seinen elektrischen Rasierer lobte der Papst fast überschwenglich, weil er sich durch ihn am Tage fünf Minuten weniger seinem Barte widmen mußte und statt dessen Zeit für Gott gewann. Daneben liegt eine sehr hübsche silberne Tischuhr, noch in originaler Reiseverpackung, die die amerikanischen Kolumbus-Ritter 1936 dem Kardinal Pacelli anläßlich seiner Amerika-Reise überreichten. Die eingravierte Widmung zeugt davon.

Andererseits sind prächtige liturgische Gewänder mit reichen Goldstickereien zu sehen. Zu Pius XII. hochgeschlossener weißer Papstsoutane mit Schärpe verblüffen die roten Lederschuhe: Sehr abgetragen und beschädigt, wirken sie gerade dadurch gegenwärtig. Den Höhepunkt  der Ausstellungsstücke stellt sicher die dreifache päpstliche Krone  dar, besetzt mit den verschiedensten Edelsteinen und gekrönt durch Weltkugel und Kreuz. Pius trug sie bei seiner Krönung und zu anderen ganz besonderen Gelegenheiten. Sie ist erstmals nördlich der Alpen zu sehen.

So kostbar und interessant manches Gezeigte auch sein mag, die Botschaft der Ausstellung liegt darin, beharrlich die Wahrheit auszusprechen und sich auch nur der Wahrheit verpflichtet zu fühlen. In seiner Weihnachtsansprache 1942 beklagt er das Schicksal von „Hunderttausenden, die persönlich schuldlos bisweilen nur um ihrer Volkszugehörigkeit oder Abstammung willen dem Tode geweiht oder fortschreitender Verelendung preisgegeben sind“. Nicht nur die deutsche NS-Regierung protestierte gegen diese Ansprache. Auch der britische Gesandte beim Heiligen Stuhl, Godolphin Osborne, bemerkte verärgert: „Die Rede könnte ebensogut das Bombardement deutscher Städte gemeint haben.“

Die Ausstellung über Papst Pius XII. ist bis zum 7. März im Schloß Charlottenburg, Neuer Flügel, täglich außer dienstags von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

Der Ausstellungskatalog (Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2009, broschiert, 232 Seiten) kostet 24,90 Euro. Näheres im Internet unter www.papstpiusXII.de

Foto: Papst Pius XII. an seiner Schreibmaschine: Rolf Hochhuth verunglimpfte ihn mit Stasi-Unterstützung

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