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Politik war gestern

Wenn in spätestens dreieinhalb Wochen das deutsche Feuilleton vermehrt darüber spekulieren wird, welches die Tiefpunkte des zurückliegenden Wahlkampfes waren, dürften einige Begebenheiten ziemlich gleichauf liegen. Zur Auswahl stehen bisher: die Dienstwagenaffäre Ulla Schmidts, das Wahlplakat Vera Lengsfelds mit den freizügigen Dekolletés von ihr und Angela Merkel, die peinliche Debatte um das Abendessen im Kanzleramt für Josef Ackermann und eine illustre Gästeschar, der kleinkarierte Streit um das Fernsehduell der Kanzlerkandidaten oder die inhaltsfreien Parolen so mancher Wahlkämpfer („Mit Arsch in der Hose in den Bundestag – Halina Wawzyniak“).

Dieser vorläufigen Bestandsaufnahme hat jetzt der Spiegel mit seinem aktuellen Heft einen weiteren Punkt hinzugefügt. Denn womit macht das einstmals für seine investigativen Beiträge aus dem Politmilieu von den einen gerühmte, von den anderen gefürchtete Blatt vier Wochen vor der Bundestagswahl auf? Mit einer satte 13 Seiten langen Titelgeschichte über – die Krebserkrankung eines pensionierten Spiegel-Reporters („Gestern wollte ich wieder sterben“).

Keine Mißverständnisse: Daß der heute 72jährige Jürgen Leinemann 2007 an Krebs erkrankte, ist tragisch. Daß er offensiv damit umgeht und jetzt ein Buch über sein Leben mit der Krankheit und seinen Kampf gegen den Krebs veröffentlicht, mag Teil der Therapie sein und ist in jedem Fall sein gutes Recht. Daß aber der Spiegel einen derart umfangreichen Vorabdruck daraus zur Titelgeschichte erhebt, wenige Wochen vor einer für Deutschland dann doch nicht ganz bedeutungslosen Wahl, markiert deutlicher als alles andere die Abwendung vom Politischen in diesem Land.

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