Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Oranische Erbschaft

Im Jahr 1701 ließ sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg in Königsberg zum König in Preußen krönen. Auf dem Rückweg nach Berlin machte der nunmehrige Regent Friedrich I. zunächst mehrere Wochen in Oranienburg Station. Dort empfing er die ersten ausländischen Gesandten, die dem Regenten zur gerade erlangten Königswürde gratulierten. Vor seinem Aufenthalt war das dortige, von seiner Mutter Louise Henriette aus dem Hause Oranien-Nassau errichtete Schloß erheblich erweitert worden, um Friedrichs Anspruch auf die oranische Erbschaft zu dokumentieren. Schon aus diesen Gründen eignet sich das Schloß Oranienburg wie kaum ein anderer Ort dazu, dort vorübergehend die Preußischen Kroninsignien zu präsentieren, solange an ihrem bisherigen Platz, dem Schloß Charlottenburg, Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Da zudem am 25. April in Oranienburg die Brandenburgische Landesgartenschau eröffnet wird, hoffen die Kuratoren auf ein besonders großes Publikumsinteresse. Im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Die preußischen Kroninsignien auf Reisen“ im Groteskensaal des Schlosses, die am 18. Januar – dem Krönungstag – eröffnet wurde, stehen natürlich die aus reinem Gold gefertigten Kronen für Friedrich und seine Gattin Sophie Charlotte. Die Werkstatt, die diese Statussymbole anfertigte, ist unbekannt, da weder Rechnungen noch eine entsprechende Kennzeichnung existieren. Allein die Königskrone war mit 153 Diamanten, 28 Brillanten, acht Birnperlen sowie 48 runden Perlen bestückt. Heute fehlen diese Steine, da sie Friedrich II. 1741 herauslösen ließ und anderweitig aufbewahrte. Anläßlich seines Todes wurde die Krone ein letztes Mal in ihrer ursprünglichen Form zusammengesetzt und im Castrum Doloris aufgestellt. Schon wenige Jahre später war der Verbleib einiger Steine nicht mehr nachvollziehbar. Im Gegensatz zu den Kronen sind der Reichsapfel und das Zepter aus dem späten 17. Jahrhundert in der Form von 1701 erhalten geblieben. Mit ihrem Steinbesatz zählen sie daher zu den prächtigsten Stücken der Ausstellung. Wesentlich älterer Herkunft sind die beiden Schwerter, welche in Königsberg auf die alten Traditionen der Hohenzollern verweisen sollten. Das eine Exemplar wurde für Albert, den ersten weltlichen Herzog in Preußen, um 1540 hergestellt und fungierte seit der Krönungszeremonie als Reichsschwert der Könige in Preußen. Das andere Exemplar ist ein von Papst Pius II. geweihtes Schwert, welches der höchste christliche Würdenträger am 6. Januar 1460 dem Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg für dessen Teilnahme am Kreuzzug verliehen hatte. Zudem sind in der Ausstellung die Insignien des „Hohen Ordens vom Schwarzen Adler“ zu sehen. Sie bestehen aus einem Ordenskreuz mit Band, einer Ordenskette und einem Ordensstern. Einen Tag vor der Königsberger Krönung hatte Friedrich diesen Orden als unverzichtbares Statussymbol des neuen Königreichs gestiftet. Der Schwarze Adlerorden war von nun an der Hausorden der Hohenzollern. Er sollte auf einer Stufe mit den höchsten ritterlichen Gemeinschaften wie dem englischen Hosenbandorden, dem burgundischen Orden vom Goldenen Vlies oder dem dänischen Elefantenorden stehen. Einen Einblick in den Ablauf der Krönungszeremonie ermöglicht eine Folge von Radierungen, die den gesamten Prozessionszug vom Königsberger Schloß zur Schloßkirche zeigen. Dieser Krönungszug bestand aus insgesamt 350 Personen, deren genauer gesellschaftlicher Rang sich aus der Darstellung entnehmen läßt. Leider kann aus Platzgründen nur ein kleiner – wenn auch repräsentativer – Teil des Zuges in Oranienburg gezeigt werden. Abgerundet wird die Ausstellung durch die Präsentation einiger Geschenke, die Friedrich anläßlich der Standeserhöhung von auswärtigen Herrschern und Reichsstädten erhielt. Dies waren in erster Linie prächtig ausgestattete Münzhumpen und Silberteller, mit denen sowohl Macht und Reichtum als auch eine enge Verbundenheit zum nunmehrigen König symbolisiert werden sollten. Die Sonderausstellung „Die preußischen Kron­insignien auf Reisen“ wird bis zum 13. Juni im Schloßmuseum Oranienburg, Schloßplatz 2, gezeigt . Öffnungszeiten bis 31. März: Sa./So. 10 bis 17 Uhr, ab 1. April täglich außer montags 10 bis 18 Uhr. Tel: 0 33 01/53 74 37 Foto: Kronkarkasse des Königs Friedrich I.: Ausländische Gesandte gratulierten auf Schloß Oranienburg

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