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Gewalt liegt in der Luft

Spekulationsblasen gibt es nicht nur in der Finanzwelt, es gibt sie auch in der Politik. Zum Beispiel US-Präsident Barack Obama. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an ihn, der politisch noch nichts Greifbares vorzuweisen hat, wirkt wie eine letzte Zuckung der in ihn gesetzten überirdischen Erwartungen.

Die Verwirrung und Enttäuschung darüber, daß die Folterstätten in Guantánamo und anderswo noch immer nicht geschlossen sind und die Zahl der Soldaten im Mittleren Osten sogar steigt, wird mit dem Entzücken über Obama, den Realpolitiker, überspielt, der sich in der Osloer Dankrede offenbart habe. Den Satz: „Zu sagen, daß Gewalt manchmal notwendig ist, ist keine Aufforderung zum Zynismus – es ist eine Erkenntnis der Geschichte, der Unvollkommenheit des Menschen und der Grenzen der Vernunft“, kann man in der Tat nur dick unterstreichen.

Doch in der Rede offenbarte sich auch der natürliche Interessenvertreter des US-Imperiums, das seinen weltweiten Machtanspruch mit einer universalistischen Moral begründet. Diese wird in dem Maße politisch, wie sie sich gegen einen absoluten Feind definiert: „Es gibt das Böse in dieser Welt. Eine gewaltfreie Bewegung hätte Hitlers Armeen nicht stoppen können. Verhandlungen können die al-Qaida-Führer nicht dazu bringen, ihre Waffen niederzulegen.“

Interessanter als dieses dualistische Weltbild ist es, dem dialektischen Wechselverhältnis zwischen Hitler und US-Präsident Roosevelt nachzuspüren. Als der Diplomat Adam von Trott 1939/40 in den USA um Unterstützung für den deutschen Widerstand nachsuchte, sagte ihm ein Stanford-Professor: „Ich weiß zuviel von dem, was hier vorgeht. Die USA sind bereits im Kriege und werden Deutschland vernichten.“ Und sind die islamistischen Terroristen nicht einst von den USA gepäppelt worden, um den Vormarsch der Sowjetunion, der anderen imperialen Macht, zurückzuweisen?

Deshalb klingt es unheimlich, wenn Obama verspricht, die USA wollten zwar „die Einzigartigkeit von Kultur und Traditionen der verschiedenen Länder respektieren“, doch auch „immer eine Stimme für die universellen Ziele sein“ und sie mit „Konzepten des gerechten Krieges und den Imperativen eines gerechten Friedens“ verbinden. Wo ein überstaatlicher Anspruch im Namen einer universalen oder irgendwie überstaatlichen Kollektivität das Recht oder Unrecht eines anderen Volkes von sich aus bestimmen will, liegen Gewalt und Krieg in der Luft.

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