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Jackson

Michael Jackson
 

Bizarrer Wunsch nach Blässe

Jackson
Stern Michael Jacksons auf dem „Walk of Fame in Hollywood“ Foto: Pixelio/Norbert Spittka

Gibt es Traurigeres, als den fröhlichen dreizehnjährigen Jungen auf dem Cover seines Solo-Debüt-albums „Got to Be There“ (1972) mit dem fünfzigjährigen Michael Jackson zu vergleichen, wie er sich auf seiner letzten öffentlichen Pressekonferenz im März dieses Jahres präsentierte:

die Augen hinter riesigen dunklen Gläsern versteckt, das Gesicht kreideweiß, umrahmt von pechschwarzem, perückenartigem Haar, das allzu breite Lächeln wie mit Rasiermessern in die Mundwinkel geritzt, die in Stücke operierte Nase auf zwei Nasenlöcher mit applizierten Hautlappen reduziert, was ihm ein totenkopfartiges Aussehen verlieh.

Er schien kaum imstande, mehr als die Worte „This is it!“ zu wiederholen, um seine allerletzten Konzerte anzukündigen. Zwischen den Satzfragmenten merkwürdige, roboterhaft ausgeführte Triumphgesten, vor ihm eine wie blödsinnig tobende Menge. Ein lebender Toter, irgendwo zwischen Dracula, Horror-Schneewittchen und Batmans Joker.

Er sprengte die inneren und äußeren Ghettos der Schwarzen

Michael Jackson, das war nicht nur der King of Pop, der lebende Beweis, daß monarchische Bedürfnisse auch in einem demokratischen Zeitalter nicht auszurotten sind, nicht nur der Superstar, der in einem märchenhaften Luxus schwelgte und die Welt mit aberwitzigen Exzentrizitäten schockte und amüsierte.

Von einem Millionenpublikum abgöttisch verehrt, war er wohl eine der einsamsten, unglücklichsten, gequältesten Seelen der Welt. Michael Jackson, das war der Citizen Kane oder der Howard Hughes der Popmusik, aber letzten Endes war Howard Hughes gar nichts gegen ihn. Am Grunde seiner Seele schien sich ein schwarzes Loch zu befinden, das alle Super-Superlative der Massenkultur nicht aufzufüllen vermochten.

Von seinem überehrgeizigen Vater durch die Mühlen des Showbusiness buchstäblich geprügelt, war Jackson seit frühester Kindheit niemals etwas anderes als ein Star gewesen. Als Erwachsener wollte er mehr als das sein. Er präsentierte sich in schillernden Phantasieuniformen und monumentalen Posen, stilisierte sich zur Erlöserfigur, die ihre Botschaft „Heal the World“ verkündete.

„It don‘t matter if you‘re black or white“

Er kaufte die Rechte zu den Beatles-Songs auf und heiratete Elvis Presleys Tochter, als müßten auch alle anderen Kronen der Popmusik in ihm ihr Alpha und Omega haben.

War die größenwahnsinnige Sucht, „allen alles zu sein“, der heimliche Motor hinter dem bizarren „Verweißungsprozeß“, der bereits seit Anfang der achtziger Jahre einsetzte? Nicht nur, daß seine Hautfarbe mysteriöserweise immer heller wurde, bis sie sich schließlich in Totenblässe auflöste (was Jackson offiziell als Folge einer seltenen Pigmentstörung ausgab). >>

Zusehends verschwanden die negroiden Züge aus seinem Gesicht, die Nase wurde immer schmaler, die Lippen dünner, die Wangenknochen höher, die gekräuselten Haare glatter. Als er 1991 sang: „It don‘t matter if you‘re black or white“, war das eine antirassistische Botschaft, eine Rechtfertigung in eigener Sache, eine unbeabsichtigte böse Ironie? Genügte es ihm nicht, der „größte schwarze Popstar“ aller Zeiten zu sein, als der er nach seinem im Jahr 1982 erschienenen Megaseller „Thriller“ gehandelt wurde?

Niemand zweifelte daran, daß er der unerreichte Vollender des Soul war, einer Musikrichtung, deren Welterfolg in nicht geringem Umfang dazu beitrug, die inneren und äußeren Ghettos der Schwarzen zu sprengen.  Sein Ehrgeiz ging jedenfalls weit darüber hinaus, bloß die Krönung des Motown-Sound zu sein, seine maßlosen Ambitionen, waren umfassender, er wollte absolut universell sein.

Wenn die „One World“ verwirklicht wurde, dann hier

So wurde Michael Jackson sich selber zum Demiurgen, war zugleich Frankenstein und das Monster, schließlich seine eigene Parodie. Seine bis zuletzt zwanghaft betriebenen plastischen Operationen machten ihn weit mehr zum Freak und Außenseiter, als eine dunkle Hautfarbe es jemals bewirkt hätte.

Popstars sind jedoch Absolutisten in ihrer Welt; es wird von ihnen geradezu erwartet, Fabeltiere zu sein, anders, schöner, reicher, überirdischer und verrückter, „larger than life“ als der Durchschnittsmensch. Popmusik hat auch etwas Totalitäres:

Man kann ihr schlichtweg nicht entkommen. Michael Jacksons Musik, darunter einige der besten Popsongs, die jemals aufgenommen wurden, ist fester, generationenübergreifender Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses von Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Wenn irgendwo die „One World“ verwirklicht wurde, dann hier.

Indessen kommen einem an dieser Stelle unweigerlich die Worte des Neuen Testaments in den Sinn: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ JF 28/09

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