Allerlei Zeitreisen

Während die meisten Branchen verhalten aufs neue Jahr blicken, erwarten Deutschlands Kulturinstitutionen für 2009 kräftige Zuwächse. Selten zuvor war das Spektrum kulturhistorischer Großausstellungen in Deutschland ähnlich breit wie in diesem Jahr. Ob historische Jubiläen, große Kunstepochen und -gattungen oder bedeutende Einzelpersönlichkeiten der Geschichte von Alexander dem Großen bis Martin Luther: Wer 2009 zu den großen Geschichtsschauen in Deutschland fährt, begibt sich zugleich auf eine Zeitreise von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Wie farbenprächtig die griechische und römische Antike war, stellt das Museum Schloß Wilhelmshöhe mit der Ausstellung „Bunte Götter. Die Farbigkeit der antiken Skulptur“ in Kassel dar. Vom 5. März bis 1. Juni werden die Ergebnisse neuester Forschungsarbeiten mit spektakulären, bunten Rekonstruktionen gezeigt. Den langen Beziehungen zwischen China und Bayern widmet das Bayerische Nationalmuseum in München die Ausstellung „Die Wittelsbacher und das Reich der Mitte“, die vom 27. März bis 26. Juli gezeigt wird. 300 Exponate aus Peking, Florenz, Kopenhagen und Wien versinnbildlichen die unterschiedlichen Wahrnehmungen Chinas in Bayern vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Gleich drei Häuser, das Römermuseum in Haltern am See, Museum und Park Kalkriese sowie das Lippische Landesmuseum Detmold, erinnern vom 15. Mai bis 25. Oktober an den Originalschauplätzen gemeinsam unter dem Titel „Imperium – Konflikt – Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht“ an die Hermanns-schlacht, ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung (JF 2/09). Einem Thema des 20. Jahrhunderts nimmt sich das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg mit der Sonderausstellung „Kunst und Kalter Krieg. Deutsche Positionen 1945-1989“ vom 28. Mai bis 5. September an. Im Mittelpunkt dieser Schau aus Anlaß des sechzigsten Jahrestags der Gründung der Bundesrepublik steht die deutsche Kunst aus Mittel- und Westdeutschland im Kontext des Kalten Kriegs. Gezeigt werden unter anderem Werke von Bernhard Heisig, Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Wolfgang Mattheuer, A. R. Penk, Gerhard Richter, Willi Sitte und Werner Tübke, insgesamt rund 320 Gemälde, Skulpturen, Videoinstallationen, Grafiken und Fotografien. Dem Leipziger Künstler Werner Tübke, der in diesem Jahr achtzig geworden wäre und vor allem durch sein Monumentalbild zum Deutschen Bauernkrieg von 1525 im Panorama-Museum in Bad Frankenhausen populär wurde, ist vom 27. Juni bis 11. Oktober eine Reminiszenz des Museums gewidmet. Die Ausstellung dokumentiert den Werdegang des 13 Meter hohen Bildes, an dem Tübke zwölf Jahre lang im Auftrag der DDR-Führung arbeitete. Präsentiert werden etwa 50 Zeichnungen und 20 Lithographien Tübkes sowie einige großformatige Werkstattarbeiten. In Mannheim präsentieren die Reiss-Engelhorn-Museen vom 30. Mai bis 15. November die große Sonderausstellung „Fundsache Luther – Archäologen auf den Spuren des Reformators“. Archäologische Ausgrabungen am Geburtshaus Martin Luthers in Eisleben, dem Elternhaus in Mansfeld und seinem eigenen Haus in Wittenberg förderten einmalige Funde zutage, die die besonderen Lebensumstände des großen Reformators nachvollziehbar machen. Dem britischen Seefahrer und Entdecker James Cook (1728-1779) ist eine Sonderschau gewidmet, die die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn vom 28. August 2009 bis 28. Februar 2010 zeigt. Die Ausstellung erzählt mit rund 500 Exponaten von den Expeditionsreisen in die Weiten des Pazifischen Ozeans. Die Dom- und Kaiserstadt Magdeburg lädt vom 31. August bis 6. Dezember zur Landesausstellung Sachsen-Anhalt „Aufbruch in die Gotik“ ein. Aus Anlaß des 800. Jubiläums der Grundsteinlegung des Magdeburger Doms wird eine epochale Schau rund um den ersten gotischen Kathedralbau im Heiligen Römischen Reich ausgerichtet. Mit 200 originalen Exponaten sollen Besucher Einblicke in diese Epoche erhalten, in der neben der Architektur auch die Kunst, Kultur und die Lebenswelt der Menschen einen Umbruch erfuhr. Für einen weiteren Höhepunkt im Ausstellungskalender dieses Jahres sorgen die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, die vom 3. Oktober 2009 bis 21. Februar 2010 die Sonderausstellung „Alexander der Große und die Öffnung der Welt. Asiens Kulturen im Wandel“ präsentieren. Die Geschichtsschau widmet sich dem Zug des makedonischen Königs und Feldherren Alexander bis nach Zentralasien und führt dem Besucher die damit einhergehenden kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche anhand nie zuvor in Europa ausgestellter Kunstobjekte vor Augen. Bild: Peter Janssen d. Ä., Der siegreich vordringende Hermann (1870-1873): Welthistorisches Ereignis

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