Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Zeichen setzen

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat im Jahr 2001 den 21. September zum Internationalen Friedenstag erklärt. An ihm sind seither überall auf der Welt die Konfliktparteien dazu aufgerufen, die Waffen ruhen zu lassen, damit die Menschen neue Hoffnung auf ein Leben ohne Gewalt schöpfen können. In diesem Jahr schienen immerhin die ansonsten um Greueltaten nicht verlegenen pakistanischen Islamisten dem Appell insofern Folge leisten zu wollen, als sie den verheerenden Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel in Islamabad bereits am Tag zuvor verübten. Ansonsten ließ sich leider aufs neue nicht erkennen, daß man in den zahllosen Krisenregionen rund um den Erdball in der Termingestaltung der Scharmützel und Attentate sonderliche Rücksichtnahme auf das Begehren der Uno genommen hätte. In manchen Fällen mag dies auch auf ein Kommunikationsproblem zurückzuführen sein. Um die Existenz eines derartigen Friedenstages den Menschen bekannt machen zu können, bedarf es einer freien Presse oder agiler Nichtregierungsorganisationen, die entsprechende Kampagnen unbehindert fahren dürfen. Beides ist in Spannungsgebieten nur zu selten anzutreffen, da es entweder gar keine staatliche Autorität gibt oder diese in diktatorischer Manier ausgeübt wird. Für alle, denen der Frieden eine Herzenssache ist, sollte die unerfreuliche Tatsache, daß ausgerechnet jene, die ihn endlich schließen sollten, weiter unbekümmert Gewalt anwenden, kein Grund zur Verzweiflung sein. Bestrebungen, die Menschheit vom Krieg abzubringen, sind letztlich so alt wie diese selbst. Die sechs Jahre, die seit der Einführung des Internationalen Friedenstages verstrichen sind, waren daher vielleicht einfach zu kurz, um schon Auswirkungen erwarten zu dürfen. Überdies kann es an einem solchen Tag nicht nur darum gehen, jenen ins Gewissen zu reden, die seine Gebote in den Wind schlagen. Er soll auch und gerade den Gutwilligen die Gelegenheit bieten, sich gemeinsam mit Gleichgesinnten an den eigenen Idealen zu erfreuen. Wenn es ihnen am 21. September auch nicht gelingt, die Streithähne fernab in den Krisenregionen zur Waffenruhe zu bewegen, so bieten doch die Zivilgesellschaften daheim nicht weniger Möglichkeiten, ein Zeichen zu setzen: Man könnte an diesem Tag zum Beispiel darauf dringen, daß Gewaltdarstellungen im Fernsehen unterbleiben und brutale Internetseiten temporär gesperrt werden. Im Zeitalter der globalen Vernetzung dürfte dies auch von den Warlords weltweit bemerkt werden und sie zum Nachdenken bringen.

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