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Symbiose

Die langen Leiden der jungen Sophie — in einem berührenden und profunden Werk aus der Filmschmiede Margarethe von Trottas („Die bleierne Zeit“): Kurz nach dem Berliner Mauerbau, im Herbst 1961, beschließt das junge Liebespaar Sophie (Meret Becker, später Corinna Harfouch) und Konrad (August Zirner) mit drei weiteren Freunden die Flucht in den Westteil Berlins. Sie planen, während einer Tanzveranstaltung durch das Kanalisationsnetz zu entkommen, doch nur vier der jungen Leute erreichen — verdreckt, aber überglücklich — ihr Ziel. Konrad stolpert über seine Schnürsenkel und erreicht zu spät den rettenden Fluchtweg; den Gullydeckel kann er gerade noch wieder über die Öffnung schieben, um seine Freunde zu schützen. Konrads eilig gegebenes Versprechen an die besorgte Sophie, nachzukommen, wird sich zunächst nicht erfüllen. Im Gegenteil, beiden droht Ungemach. Wenige Tage nach der Flucht taucht ihr Stiefvater auf, um die „Republikflüchtigen“ zurückzubeordern. Vergebliche Liebesmüh, zumal sich die unglückliche junge Frau nur zu gut an den Suizid ihres Vaters im Gefängnis erinnert. An Sophies Haltung ändert sich auch nichts, als der DDR-Behördendruck jedweden Briefverkehr zwischen ihr, ihrer Mutter und ihrer Tante strikt unterbindet. Konrad indes wird verhört und zur „Bewährung“ als Volkspolizist an die Zonengrenze geschickt: „Ihr beschützt die menschlichste Ordnung, die es je in Deutschland gab“, bleut ein fanatischer Ausbilder den eingeschüchterten Rekruten ein, die vor einer Mauer­attrappe üben, mit ihren Bajonetten auf einen Flüchtlingsdummy einzustechen. So soll es jenen ergehen, die ihr Land „verraten“ wollen … Der Film, eine melodramatische Symbiose aus Politstreifen und Liebesgeschichte, spiegelt Zeitgeschichte in persönlichen Schicksalen. Berlin zu Zeiten der Mauer wird stellenweise in genau jenem schmerzenden Schwarzweiß bebildert, das zugleich das psychisch zerrissene Schicksal der Menschen in diesem Kapitel deutscher Geschichte ausdrückt. Die eindringliche filmisch-historische Bestandsaufnahme des geteilten Deutschland wurde 1995 für den Oscar nominiert als Bester Ausländischer Film und parallel dazu mit dem Bayerischen Filmpreis für die beste Regie belohnt. „Das Versprechen“ der heute 66jährigen Trotta eröffnete außerdem die 45. Filmfestspiele in Berlin. Als Bonusmaterial enthält die DVD unter anderem Erinnerungen von Margarethe vonTrotta, Fotogalerien, Biographien und Trailer. DVD: Das Versprechen, Kinowelt, Leipzig 2008, Laufzeit: ca. 111 Minuten

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