Pankraz, das Modellauto und die spielenden Affen

In einem "Primatenzentrum" in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) will man herausgefunden haben, daß sich Affenkinder, Schimpansenkinder, genauso geschlechtsspezifisch verhalten wie Menschenkinder. Schimpansenjungen spielen angeblich am liebsten mit kleinen Modellautos, Schimpansenmädchen dagegen mit Puppen, besonders solchen, die weinen können und sich in die Windeln machen, so daß man sie trockenlegen muß. Wenn man Schimpansenjungen Bälle gibt, eröffnen sie mit ihnen eine Art Fußballmatch, dreschen auf sie ein, raufen sich um sie. Schimpansenmädchen werfen die Bälle züchtig einander zu, fangen sie auf, bergen sie in ihrem Schoß.

Über die Gediegenheit der Beobachtungen besteht an sich kein Zweifel. Die Leute vom Primatenzentrum sind alle erstklassige Wissenschaftler und geduldige Experimentatoren, und sie sind mit ihren "Versuchsobjekten", eben den Affenkindern, intim vertraut, wissen jede ihrer Äußerungen zu deuten, überprüfen jede Einzelbeobachtung zweimal, dreimal, viele Male, bevor sie ein Urteil wagen. Ihre Mitteilungen müssen ernst genommen werden.

Trotzdem erlaubt sich Pankraz einen kritischen Hinweis. Könnte es nicht sein, fragt er, daß die Forscher allzu intim mit den kleinen Schimpansen vertraut sind und diese deshalb nur machen, was man ihnen verdeckt nahelegt? Tierkinder der hochentwickelten Arten, ob nun kleine Schimpansen oder kleine Raben, verfügen über ein geradezu phänomenales Einfühl- und Beobachtungsvermögen. Ihre Bereitschaft, das zu machen, was die Kontaktperson von ihnen will, ist geradezu grenzenlos, jedenfalls stets hellwach, reagiert auf verborgenste, beiläufigste Orientierungsgesten, deren Informationswert den Forschern selbst möglicherweise gar nicht bewußt ist.

Letztlich genügt bei solchen Probanden manchmal schon das in einer einschlägigen Versuchsanordnung herrschende "Klima", um die "gewünschten" Ergebisse zu erzielen. Und "gewünscht" waren die Ergebnisse allemal. Das Forscherteam hatte sich vorgenommen, nach einer möglichen menschenähnlichen Geschlechterdifferenz im Spielverhalten von Affenkindern zu suchen, und schon in der Bibel heißt es bekanntlich: "Suchet, so werdet ihr finden" (Jeremias 29,13). Man schuf also von vornherein ein entsprechendes Klima, und so griffen die Schimpansenjungen nach den Autos und die Mädchen nach den Puppen.

Ob sie es auch getan hätten, wenn das Forscherteam durch die Bank aus überzeugten, wenn auch in bezug auf Arbeitsakuratesse gleichwertigen Feministinnen bestanden hätte, die von vornherein von der absoluten Unterschiedslosigkeit der Spielinteressen überzeugt waren? Man darf daran zweifeln. Unschärferelationen gibt es nicht nur in der Quantenphysik, sondern eben auch in der Verhaltensforschung.

Wissenschaftlichen Laien, die auf bloße Analogien und Vermutungen angewiesen sind, leuchten die Nachrichten aus dem Primatenzentrum übrigens ein. In der Schimpansehorde (wie auch in der ursprünglichen Menschenhorde) ist den Männchen die dominante Rolle im Außendienst zugewiesen, sie sind verantwortlich für Kriegführen, Feindabwehr, Erschließung neuer Reviere, während die Weibchen überwiegend Innendienst verrichten, Kinderbetreuung, Erträglichmachung des Alltags, optimales Kratzen, Kraulen und Entlausen. Es ist nur natürlich, daß sich solche Arbeitsteilung auch auf das spielerische Jugendverhalten auswirkt.

Die Schimpansenjungen interessiert offenbar in erster Linie das, was sich bewegt und bewegen läßt (Auto, Ball), den Mädchen hingegen ist es vorrangig um die genauere Beschaffenheit stationärer Phänomene zu tun, zum Beispiel um den Zustand der Nahrung, die zur Verfügung steht. Das berühmte Waschen von Früchten vor dem Verzehr, das japanische Forscher bei einer einheimischen Makakenart beobachtet haben, war eine genuin weibliche Erfindung. Die Technik dieses Waschens wird seit Generationen von Mutter zu Tochter weitergegeben, während die Männchen des Stammes ihre Früchte auch heute noch selten, eher zufällig waschen.

Dabei verhält es sich keineswegs so, daß das männliche Makakenjunge zum Erlernen neuer Lebenstechniken unfähig wäre. Von derselben Art weiß man, daß sie groß in der Waffenherstellung ist. Die Stammesgenossen brechen sich handfeste Knüppel aus den Mangrovenwäldern, spitzen sie eventuell sogar an, verwandeln sie in handfeste Schlagwerkzeuge, mit denen sie gegebenenfalls auf echte oder vermeintliche Feinde eindreschen. Aber es sind nur die Männchen, die das tun, und die männlichen Jungen ahmen sie spielerisch nach, indessen die weiblichen Jungen am Bach Äpfelwaschen spielen.

Immer wieder liest man ja von der großen Freiheit des Spiels, der "göttlichen Freiheit", die dem Ernst des Lebens vorausgeht, es später hin und wieder unterbricht und es verschönt und aushaltbar macht. Aber jeder spielt eben doch nur, was ihm genetisch und geschlechtsspezifisch vorgegeben ist.

Die weitverbreitete Ansicht, daß man, ob Mensch oder höheres Tier, im kindlichen Spiel über den Tellerrand seiner naturgegebenen Möglichkeiten hinausgelange, daß man als Kind immer "mehr" sei als der erwachsene Bedenkenträger, ist eine schöne Mär. Kein Naturfilm über ebenso anmutig wie einfallsreich spielende Fuchswelpen, Murmeltierkinder oder kleine Gemsen kann darüber hinwegtäuschen.

Die Nachrichten aus dem Primatenzentrum über spielende Affenkinder halten auf jeden Fall für unsere moderne Gesellschaft eine handfeste Moral bereit: Man soll’s mit der Einebnung geschlechtsspezifischer Unterschiede nicht übertreiben. Mag sein, der Mensch mit seiner "Kultur" ist eine Art Gegenentwurf zur Natur, ihre Übersteigung und in manchem sogar ihre Verbesserung. Doch wenn es hart auf hart kommt, siegt wohl immer die Natur, Man sollte auf den Tag der Härte vorbereitet sein, und dazu gehört zweifellos auch, daß die Geschlechter auf dem richtigen Platz stehen.

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