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„Ja, wir sind rechts …“

Wie viele Schüler-, Studenten- und Jugendzeitschriften es in Deutschland gibt, die auch von Schülern, Studenten und anderen Jugendlichen für ihresgleichen gemacht werden, weiß kein Mensch. Groben Schätzungen zufolge könnte die Zahl zwischen 2.000 und 3.000 Zeitungen bzw. Zeitschriften liegen, wobei insbesondere die Schwankungen in der Erscheinungsweise naturgemäß sehr stark sein dürften. Wer sich länger behaupten will, braucht eine gehörige Portion Idealismus, Ausdauer und Durchsetzungswillen – ­allesamt Eigenschaften, die auf die Macher der Blauen Narzisse zuzutreffen scheinen, allen voran ihren verantwortlichen Redakteur Felix Menzel. Erstmals im September 2004 als Schülerzeitung in Chemnitz erschienen, hat sich die Blaue Narzisse inzwischen – trotz Anfeindungen von linker Seite (JF 14/06) – zu einem beachtlichen und erfrischend nonkonformen Internetmagazin weiterentwickelt, das nun nach längerer Zeit auch wieder mit einer Printausgabe auf sich aufmerksam macht. Die 26 großzügig gestalteten Seiten im Format DIN A 4 lesen sich recht kurzweilig. Den Auftakt bildet ein Editorial, in dem Felix Menzel freimütig bekennt: „Ja, wir sind rechts, denn eine rechte Sicht auf die Dinge fehlt nun einmal und deshalb liefern wir sie.“ Gleich danach setzt sich der aus der CDU ausgetretene sächsische Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche in einem Interview unter anderem mit dem Begriff „konservativ“ auseinander. O-Ton Nitzsche: „Ich kann dieses Wort nicht mehr hören. All diese Leute, die sich als konservativ bezeichnen und ihren vermeintlichen Konservatismus ähnlich einem Familienerbstück in der Vitrine aufbewahren und dieses zur Gewissensberuhigung gelegentlich abstauben.“ Er kenne kaum ein Wort, „das so nichtssagend und verbraucht“ ist, so Nitzsche. Jungen Menschen, die etwas verändern wollten, rate er, ihre Meinung offen und bestimmt zu sagen, allerdings nicht in „konspirativen Debattierzirken, wie das im rechten Lager momentan Usus ist“. Auch ein Engagement in bestehenden Parteien erachte er nicht für sinnvoll. Wichtiger sei es, so der parteilose Abgeordnete, „über einen Stimmungsumschwung in der Bevölkerung Druck auf das politische System auszuüben, so daß sich daraus eine außerparlamentarische Opposition und langfristig eine neue politische Kraft entwickelt“. Das restliche Heft bietet eine bunte Mischung mit in der gedanklichen und handwerklichen Güte allerdings durchaus ambivalenten Beiträgen zu verschiedenen Themen wie der Haltung von Linken und Rechten, Gentechnik im Essen, Joschka Fischer, der deutschen Bildungspolitik und einer Nachlese zu Eva Herman. Zu einem ganz großen Wurf will sich das alles zwar noch nicht runden, Anerkennung und Ermunterung aber verdient die Blaue Narzisse allemal. Blaue Narzisse, c/o Felix Menzel, Ludwig-Wucherer-Str. 54, 06108 Halle, Tel.: 0178 / 6 05 96 39, Internet: www.blauenarzisse.de .

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