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Das Leid tragen die Pflanzen

Die elternlose und mittlerweile erwachsene Li Ming (Myléne Jampanoï, Tochter einer Französin und eines Chinesen) verläßt das Waisenhaus, um ein Praktikum beim berühmten Botanik-Professor Chen zu absolvieren. Der autoritäre und zu jähzornigen Ausbrüchen neigende Gelehrte lebt mit seiner zarten Tochter An (die in China populäre Schauspielerin Li Xiaoran) auf einer exotischen Insel inmitten eines bizarren Pflanzendschungels. Der Arbeitsalltag ist geprägt von hierarchischen Strukturen; während An ihren herzkranken Vater liebevoll pflegt und auch die Gaststudentin freundlich aufnimmt, erfüllt die leicht burschikos auftretende Li Ming nicht die Vorstellungen des Professors. Das ändert sich erst, als der Professorensohn Dan, ein alleinstehender, aber heiratswilliger Soldat, seinen Urlaub auf der Insel verbringt. Vater und Sohn kommen überein, daß Li Ming eine gute Ehefrau für Dan abgeben würde. Zur gleichen Zeit aber bahnt sich zwischen Li Ming und der Professorentochter ein Liebesverhältnis an – freilich ein Skandal im China der achtziger Jahre. Die jungen Frauen halten eine Heirat zwischen Dan und Li Ming letztlich für die einzige Möglichkeit, ein gemeinsames Leben verbringen zu können – immerhin sei es Dan, der in Tibet stationiert ist, aufgrund seines niederen Ranges nicht erlaubt, seine Gattin dorthin mitzunehmen. Mit ihrer Liebe zueinander wächst auch das Selbstbewußtsein der beiden Frauen; sie widersprechen den Geboten des Professors, werden nachlässig im Umgang mit den Pflanzen und leben ihre Neigung immer schamloser aus. Die Hochzeitsnacht gerät zum Eklat, da sich die Braut als symbolischen Liebesbeweis zuvor von ihrer Geliebten hat deflorieren lassen. Es dauert dennoch einige Zeit, bis der Vater hinter das Geheimnis seiner Schwieger- und seiner leiblichen Tochter kommt: Ein bitteres Ende naht. Der einen Kitsch ist der anderen Skandal Das banale Sprichwort vom Vorzug eines Endes mit Schrecken gegenüber einem Schrecken ohne Ende kann da durchaus ganz lieblos in den Sinn kommen. Für das europäische Auge eine reichlich verkitschte Lesbenromanze, für das traditionell noch befangenere asiatische ein Tabubruch – wem wäre damit gedient? Der 53jährige Regisseur Dai Sijie, dessen Familie zu den Opfern des Mao-Regimes zählte, lebt seit einem Vierteljahrhundert in Frankreich. Sein gleichfalls verfilmter Roman „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ erlangte vor einigen Jahren Weltruhm, allein in Deutschland wurde er über eine halbe Million mal verkauft. Da China ihm für den neuen Film eine Drehgenehmigung verweigerte, wurde in Vietnam gefilmt. Die Landschaft dort ähnele sehr der chinesischen Region, in der ursprünglich gedreht werden sollte, gibt sich der Regisseur zufrieden: „Die Natur kennt keine Grenzen.“ Eben das soll ja auch als aufgeklärte Moral des Films gelten.

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