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Titelhoffnung, politisch begründet

Zusammenhänge zwischen dem politischen Kurs eines Landes und seinen Erfolgen im internationalen Fußball erhellt schon ein Blick auf die europäischen Wettbewerbe der Vereinsmannschaften. In ihnen waren die Clubs aus kommunistischen Diktaturen stets nahezu chancenlos. Den Pokal der Landesmeister gewann allein Steaua Bukarest (1986). Fünfmal wanderte der Pokal der Pokalsieger in den roten Osten, dem UEFA-Pokal blieb diese Reise erspart. Die einstigen Diktaturen der Rechten hingegen konnten auf diesem Gebiet auftrumpfen. Die große Zeit von Real Madrid war unter Franco (sechs Europapokal-Titel), jene von Benfica Lissabon unter Salazar (zwei Titel bei fünf Finalteilnahmen). Vergleichbare Erkenntnisse bietet die WM-Geschichte. Nur zweimal, 1954 und 1962, griffen die Kommunisten nach der Trophäe – und scheiterten. Rechte Regime hingegen triumphierten 1934, 1938 (jeweils Italien), 1970 (Brasilien) und 1978 (Argentinien). Aber auch diese Erfolge müssen als Ausnahme von der Regel angesehen werden. Betrachtet man alle 17 Turniere insgesamt, scheint die Voraussetzung für den Gewinn des Titels doch eher eine demokratische Staatsverfassung zu sein. So holte Brasilien nur einen einzigen Titel unter der immerhin fünf Weltmeisterschaften umspannenden Militärdiktatur, je zwei hingegen unter Regierungen der demokratischen Linken und der rechten Mitte. Welches politische Lager in einem freiheitlichen Gemeinwesen am Ruder ist, erscheint dabei ohne signifikante Bedeutung. So war die Bundesrepublik unter der CDU nicht minder erfolgreich als unter der SPD. Generell gilt hier jedoch: Staaten, in denen Koalitionsregierungen die Regel sind, wie etwa Deutschland, Brasilien oder Italien, haben größere Chancen, Weltmeister zu werden. Auch die „Cohabitation“ im Frankreich von 1998 stützt diese These. Mit 3:0 fegte die Equipe Trikolore die Brasilianer im Finale vom Platz. Die Erfolgsaussichten steigen zudem, wenn die Koalition rechte und linke Kräfte umspannt oder das Parteiensystem insgesamt zur Mitte hin tendiert. Was heißt dies für die Weltmeisterschaft 2006? Aus dem Kreis der vermeintlichen Top-Anwärter auf den Titel sind Frankreich, England und Spanien, wegen der starken Polarisierung aber auch Italien chancenlos. Die Argentinier und Brasilianer laufen mit dem Handicap auf, daß ihre Regierungen am Rande des demokratischen Spektrums und mit einem Fuß bereits im sozialdemagogischen Populismus stehen. Nicht aussichtslos sind hingegen die Niederländer mit ihrer Koalition der linken und der rechten Mitte. Die Rolle des eindeutigen Favoriten aber kommt dem deutschen Team zu. Auch unter diesem Gesichtspunkt macht sich also die Ablösung von Rot-Grün durch die Große Koalition bezahlt.

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