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Nostalgie behindert nur

Vergangenen Samstag tagte anläßlich des 200. Jahrestags der preußischen Niederlage bei Jena und Auerstedt 1806 und der sich daran anschließenden Preußischen Reformen das zwölfte Berliner Kolleg des Instituts für Staatspolitik (IfS). Unter dem Titel „Zweihundert Jahre Preußische Revolution“ begann die Veranstaltung in Berlin-Mitte mit einem Vortrag von Oberst a. D. Klaus Hammel über die „Katastrophe von 1806 und ihre staatspolitische Bedeutung“. Diesem folgte Karlheinz Weißmanns „Preußische Dimension“. Der Göttinger Historiker wies auf die Bedeutung der preußischen Schlüsseljahre 1806, 1809 und 1813 für die späteren deutschen Staaten hin. Dabei unterschied er einen dynastischen, einen preußisch-patriotischen und einen gesamtdeutsch-nationalen Strang. Letzterer wurde noch 1953 von Walter Ulbricht anläßlich der Gedenkfeier zum 140. Jahrestag der Völkerschlacht von Leipzig mit glühenden Worten aufgegriffen. Daß die „Schlüsseljahre“ 1806, 1809 und 1813 in der Bundesrepublik dagegen keine größere Rolle gespielt haben, sieht Weißmann im Anschluß an Hans-Joachim Arndt als Ausdruck „nicht nur von Geschichts‑, sondern von ‚Lagefremdheit'“. Die Analogie zu 1806 spielte nach 1918 eine große Rolle im patriotischen Denken. Wieder schien der Moment gekommen zu sein, in dem ein katastrophaler Fall die Chance für einen um so größeren Wiederaufstieg zu bieten schien. Die Reihe derer, die so dachten, reicht von Walther Rathenau bis Leo Schlageter. Die Freikorps in den Ostgebieten Deutschland bezogen sich bewußt auf die Tradition aus den Befreiungskriegen. Auch in Widerstandskreisen spielte dieser Bezug eine gewichtige Rolle. So warb die „Weiße Rose“ mit Körner-Zitaten, Hitler wurde mit Napoleon gleichgesetzt. Erst in der Endphase des Zweiten Weltkriegs griff Goebbels zum mobilisierenden Mythos des Volkstums, nicht zuletzt in der aufwendigen Filmproduktion „Kolberg“. Wer nun nach 1945 Fichtes Reden auf die bundesdeutsche Lage umzudenken wagte, mußte zwangsläufig zu unerwünschten Schlußfolgerungen gelangen. So blieb dies eine Sache nationaler Dissidenten und gesellschaftlicher Außenseiter, unter denen Weißmann ausdrücklich den Ideenhistoriker und politischen Philosophen Bernard Willms hervorhob, der in diesem Jahr 75 geworden wäre (JF 29/06). Als dritter Referent sprach der ehemalige Bankier, Historiker und Gründer des Brandenburg-Preußen-Museums in Wustrau, Ehrhardt Bödecker, über die Aktualität Preußens. Anders als heute, da Parteien, Gewerkschaften und Medien Deutschland durch Regulierungswut und Denkverbote gestalten, habe sich in Preußen unter den Bedingungen einer freiheitlichen Marktwirtschaft ein Unternehmertum gebildet, das seinen Staat an die Spitze der weltweit vorherrschenden Nationen führte. Bödecker erwähnte zudem das immense Wachstum des deutschen Volkes in den Jahren zwischen 1871 und 1945. Jährlich sei ein Zuwachs von 600.000 Menschen zu verzeichnen gewesen, und zwar „durch Geburtenüberschuß und nicht durch türkische Einwanderung“. Ursache hierfür sei auch das Bekenntnis Preußens zur Familie als „Keimzelle des Staates und auch der Marktwirtschaft“, so Bödecker. Dem gegenüber stehe heute die Verachtung von Ehe und Familie durch die Sozialdemokraten, Marxisten und Feministen. Optisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch zwei großformatige Transparente zu beiden Seiten des Podiums. Auf der Linken das Porträt Friedrichs des Großen, rechts das Bildnis Graf Schenk von Stauffenbergs. Darunter die in Anbetracht deutscher Verhältnisse trotzigen Worte: „uns wird es immer geben“. Dieses Motto stellte auch den Kern des abschließenden Vortrags „Preußen und nun?“ von Götz Kubitschek dar. Der IfS-Leiter machte in zehn zugespitzten Thesen gleich zu Beginn deutlich, daß Preußen „nicht mehr ist und auch nicht mehr wiederkehren kann“. Nostalgie sei durchaus erlaubt, jedoch nur im Privaten. In der Gestaltung des Heutigen aber sei diese hinderlich. Von Preußen, so Kubitschek, bleibe vor allem zweierlei: das Exempel der gelungenen Formung einer gegebenen, verorteten Substanz in ein effektives Gebilde, zum anderen die Idee der Inanspruchnahme des Einzelnen im Dienst, der Unterwerfung in Freiheit. Der heutige Staat sei die Antithese von Preußen, selbst der Etatist kommt in die paradoxe Situation, sich ihm gegenüber subversiv zu verhalten, ihm die Unterstützung zu verweigern. Der „Wahlpreuße“, der heute keinen Ort haben kann und nur mehr als Vereinzelter und Träger eines Stils auftreten kann, steht vor der Frage, ob er auf „Ohrfeigen mit Ohrfeigen“ antworten, ob er nun zum Tabubruch, Ungehorsam und zur Respektlosigkeit greifen soll. Er läuft dabei in Gefahr, sich nicht nur lächerlich zu machen, sondern ein sinnloses Selbstopfer zu bringen. Schließlich bleibe ihm nur noch die Abwendung vom Staat, hin zum Personalverband, der versucht, ein „bewahrendes Trotzdem“ zu leben. Mit diesem aktiv-pessimistischen Aufruf, auch „heute in Deutschland stolz zu leben“, endete das rundum gelungene Kolleg.

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