Die den Worten Flügel schenkte

Kann denn Liebe Sünde sein?“ Kaum einen ihrer Stars haben die Deutschen mehr geliebt als Zarah Leander. Ihre Liedertitel sind zu geflügelten Worten geworden: „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“, „Eine Frau wird erst durch die Liebe schön“ oder „Davon geht die Welt nicht unter“. Leander-Songs sind unverwüstliches Populärgut, nicht zuletzt dank treuer Fans wie Nina Hagen, die ihrem Idol mit zahlreichen Cover-Versionen gehuldigt hat. Leanders charakteristisch tiefe Stimme, ihr kitschiger Glamour und die verblüffend frechen Texte machten sie auch zu einer unumstrittenen Ikone der Schwulenbewegung. „Darf es niemand wissen, wenn man sich küßt, wenn man einmal alles vergißt, vor Glück?“, diese berühmten Zeilen schrieb Leanders Haustexter Bruno Balz, der tatsächlich homosexuell war. Ihre Lieder strahlten einen eigentümlichen Charme und Humor aus. „Mein Ideal auf dieser Welt, das ist der kühne Held, der große blonde Mann“, sang sie mitten im Dritten Reich, um dann fortzufahren, wie ihr Liebhaber denn wirklich aussehe: „Er heißt Waldemar, und hat schwarzes Haar, er ist kein Held, doch er ist der Mann, der mir gefällt.“ Leanders Melodramatik hatte etwas Augenzwinkerndes, ihre berühmten „Rs“ rollten absichtlich übertrieben. Sie schien weniger entrückt, menschlich zugänglicher zu sein als andere Filmdiven wie etwa ihre Landsmännin Greta Garbo: „So bin am ganzen Leibe ich, so bin ich und so bleibe ich!“ Die hochgewachsene, rothaarige Sängerin wurde am 15. März 1907 im schwedischen Karlstad geboren. Deutsch lernte Sara Stina Hedberg, wie ihr Geburtsname lautete, schon in früher Jugend. 1926 heiratete sie den Schauspieler Nils Leander, eine Ehe, die bereits 1931 geschieden wurde. Ab 1928 war sie in schwedischen Revuen und Filmen in kleineren Rollen zu sehen. Im deutschen Sprachraum debütierte sie 1936 in Wien mit dem Stück „Axel an der Himmelstür“. Gegen den anfänglichen Widerstand von Goebbels wurde sie schnell einer der beliebtesten Ufa-Stars. Bis 1942 entstanden zehn romantische Vehikel, darunter „Zu neuen Ufern“ (1937) unter der Regie von Detlef Sierck, der als „Douglas Sirk“ zur Hollywood-Legende wurde. Nachdem ihre Berliner Villa 1943 bei einem Luftangriff ausgebombt worden war, verließ sie Deutschland und zog sich in ihr Heimatland zurück. Sie schlug sich rechtzeitig zu den stärkeren Bataillonen: Nach Stalingrad kippte die bisher freundliche Stimmung der Schweden, die Verlierer wurden geächtet, und die Leander feindselig-kühl empfangen. Indessen warf ihr auch die NS-Presse einigen Schmutz nach. Ihr jähes Verschwinden empfanden viele Deutsche als Menetekel. Der Schlager von 1942, „Davon geht die Welt nicht unter“, bekam nun eine makabre Färbung. Nach dem Krieg glückte der Leander das Comeback in Deutschland. Sie blieb populär, zehrte aber vor allem von ihren früheren Erfolgen. In den letzten Jahren verfiel ihre Kunst zur traurigen Selbstparodie, die das kollektive Gedächtnis gnädig verdrängt hat. Zarah Leander starb in Stockholm am 23. Juni 1981.

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