Böse Geister

Als Sonderausgabe des P.M. Magazins erscheint monatlich mit einem Umfang von ca. 100 Seiten P.M. History. Die Zeitschrift nennt sich im Untertitel „Das große Magazin für Geschichte“, die Themenschwerpunkte sind griffig und kompatibel, auf brisante und „umstrittene“ Themen verzichtet man lieber gleich. „Europa im Umbruch“, lautet das Titelthema der aktuellen Ausgabe und beschreibt in den Kapiteln „Der Angriff der Hunnen“, „Der Zug der Goten“ und „Der Untergang Roms“ unter anderem die Völkerwanderung der germanischen Stämme, die auf der Flucht vor Attilas wilden Horden bis nach Rom marschierten und die Stadt eroberten. Die bis dahin festgefügte Ordnung des Römischen Imperiums geriet ins Wanken, und eine neue Epoche brach an: die Zeit der mittelalterlichen Reiche, die noch immer von plündernden Reitervölkern bedroht wurden. Zum Kinostart des Films „Das Parfum“ nach dem vielgelesenen Roman von Patrick Süskind, in dem es um einen Sonderling geht, der buchstäblich nichts besitzt außer seinem absoluten Geruchssinn, erzählt ein weiterer Beitrag die Geschichte und den Siegeszug des Parfüms. Er beginnt vor mehr als 5.000 Jahren in den Tempeln von Mesopotamien. Dort verbrannten die Priester Zedernholz auf den Altären, das einen würzig-holzigen Duft verbreitete und bald den ganzen Raum erfüllte. Der Duft sollte den Göttern schmeicheln, böse Geister vertreiben und für eine gute Ernte sorgen. Weil die ersten wohlriechenden Düfte durch Feuerrauch entstanden, nannte man sie später „per fumum“ – durch den Rauch“. Zwei ganze Seiten widmet das Heft der Vertreibung von 15 Millionen Deutschen, die gegen Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg mit brutaler Gewalt gezwungen wurden, ihre angestammte Heimat in West- und Ostpreußen, dem Memelland, Pommern, Schlesien, dem Baltikum, dem Sudetenland und Südosteuropa aufzugeben. Natürlich fehlt auch hier nicht der wohlfeile Hinweis auf die „Greueltaten, die Deutsche im Namen Hitlers bei ihrem Vormarsch nach Osten angerichtet hatten“. Dadurch sei es schließlich „auf beiden Seiten zu Mord und Vergewaltigung“ gekommen. Die Frage, ob ein begangenes Verbrechen ein neues Verbrechen rechtfertigt, wird bei dieser von politisch-korrekter Seite bis zum Erbrechen wiedergekäuten Argumentation nicht einmal ansatzweise gestellt. Auch so kann man Geschichte verbiegen. Ein gelungenes Porträt des französischen Malers, Bildhauers und Literaten Paul Gauguin, der vor der Metropole Paris, seiner Familie und seinen Künstlerkollegen nach Tahiti flüchtete, verklärt diesen als frühen „Aussteiger“, der das zwanglose Leben der Südsee-Insulaner als Ideal betrachtete. Tatsächlich begleiteten ihn jedoch selbst hier seine Ängste. Die Trennung von der Familie bedrückte ihn, er hatte finanzielle Schwierigkeiten, hinzu kamen die fehlende künstlerische Anerkennung sowie schwere Krankheiten wie Syphilis, Typhus und immer wieder starke Depressionen. Anschrift: Gruner & Jahr Verlag, Weihenstephanstr. 7, 81673 München. Einzelpreis 4,30 Euro. Internet: www.pm-magazin.de

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