Kritischer Journalismus vom feinsten

Daß Politiker zuweilen nicht wissen, worüber sie reden (und abstimmen), ist vielfach belegt, zuletzt erst im Mai dieses Jahres durch einen Beitrag des Fernsehmagazins „Panorama“ bei der Abstimmung im Bundestag über den EU-Verfassungsentwurf. Was da in einer für Deutschland eminent wichtigen Frage an Unkenntnis zum Vorschein kam, war erschreckend und skandalös. Doch so unentschuldbar die Ahnungslosigkeit in diesem Fall gewiß ist, so berechtigt ist auch die Feststellung, daß Journalisten es lieben, Politiker mit hinterfotzigen oder einfach nur dusseligen Fragen gezielt aufs Glatteis zu führen, um sie dann genüßlich ausrutschen zu sehen. Muß ein „Jugend-Politiker“ zum Beispiel wirklich wissen, welcher Hit zur Zeit die Nummer eins der deutschen Single-Charts ist? Oder mit wem der US-Schauspieler Brad Pitt gerade liiert ist? Wie die Fernsehserie mit Sarah Connor heißt, welcher Klingelton momentan bei Jamba der beliebteste ist, was ein Sparmenü bei McDonald’s kostet und wie man einen Caipirinha mixt? Oder muß er wissen, welches Tier Harry Potter hat und wie es heißt? Nein, das muß selbst ein Jugend-Politiker nun wirklich nicht wissen. Mit genau diesen Fragen aber konfrontierte ausgerechnet die für ihre Bildungsbeflissenheit so berühmte Bild-Zeitung vergangenen Samstag fünf Berliner Landespolitiker von SPD, CDU, FDP, Grünen und Linkspartei. Nur eine einzige Frage war vernünftig („Wie viele Grundschulen gab es in Berlin im Schuljahr 2004/2005?“), alle anderen spotteten jeder Beschreibung. Entsprechend dürftig fielen die Antworten aus. Aber Obacht, nicht immer sind daran die Politiker schuld, manchmal sind auch nur die Fragen selten dämlich.

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