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Schlicht, aber ansprechend aufgemacht ist der „Rundbrief für das Werk der heiligen Engel aus dem Kloster Schondorf“, der den lateinischen Titel Opus Sanctorum Angelorum (Werk der heiligen Engel) trägt. 1949 von Priestern und Theologiestudenten um die tiefgläubige Gabriele Bitterlich in Innsbruck gegründet, erhielt das Werk seinen kirchlichen Rahmen 1961 in der von Diözesanbischof Paulus Rusch kanonisch errichteten Schutzengelbruderschaft. Betreut werden die Mitglieder und Vereinigungen des Werkes vom Orden der Regularkanoniker vom Hl. Kreuz. Die Vorderseite des kleinen Hefts ziert eine bunte Miniatur eines Schutzengels als Hinterglasgemälde. Die achtseitige Zeitschrift ist ausdrücklich für Mitglieder und Freunde des Engelswerkes bestimmt, unterteilt sind die alle drei Monate verschickten Rundbriefe jeweils in ein spirituelles Thema, Katechese und Erlebnisse mit Schutzengeln. Obwohl das Engelwerk zu den umstrittensten Gruppierungen innerhalb der Katholische Kirche gehört, enthält das Heft nichts Anstößiges. Zu Beginn steht meist ein geistliches Wort des Schondorfer Priors. Den Hauptteil der letzten beiden Hefte bilden Beiträge über „Die Prüfung und Scheidung der Engel“, in dem vorhergehenden Rundbrief war es das Thema „Die Aufgaben der Engel“. Mit Hilfe vieler Schriftzitate und Auszüge aus Ansprachen des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. wird darin erklärt, daß Engel dem Schöpfungs- und Heilswirken Gottes dienen, daß sie um das Heil der Menschen besorgt sind und auch die stoffliche Schöpfung behüten. Alles Gedanken, die der klassischen Angelologie der Kirche entsprechen und nichts mit der umstrittenen und kirchlich zensierten Engellehre von Gabriele Bitterlich zu tun haben. Ein weiterer Artikel behandelt die Taufe als Geburt zum neuen Leben in Christus. An dem Text fällt auf, daß man sich im Engelwerk genau an die Lehre der Kirche halten will, denn er besteht nur aus einer langen Reihe von Zitaten aus dem „Katechismus der Katholischen Kirche“, wobei für jeden zweiten Satz auch die konkrete Stelle im Weltkatechismus angegeben wird. Angesichts der Polarisierung in der Kirche erscheint Opus Sanctorum Angelorum als fast schon zu brav. Wahrscheinlich setzt das Engelwerk die Weisungen Roms aus den 1990er Jahren nun korrekt um. Unter gläubigen Katholiken hat das Werk einen guten Ruf, vor allem die seelsorgliche Tätigkeit des mit dem Engelwerk verbundenen Kreuzordens. Dessen Exerzitien und Einkehrtage sind bekannt für ihre angenehme Atmosphäre und gesunde Spiritualität. Traditionsverbundene Katholiken kritisieren jedoch am Opus Angelorum, daß es die spezifisch nachkonziliare Theologie verbreitet, wenn auch in einer typisch römischen Ausformung. Da das Engelwerk heute weder offiziell noch unter der Hand die Engellehren seiner Gründerin verbreitet, engagieren sich die Anhänger der fragwürdigen Engellehren inzwischen in dem vor einigen Jahren von einem der Söhne von Frau Bitterlich als Gegenorganisation gegründeten „Engelbund“. Anschrift: Kloster des Ordens der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz, Kirchberg 12, 86938 Schondorf. Internet: www.opusangelorum.org

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