Von der Zirkusreiterin zur Traumfrau

Daß jeder Film seinen ihm gemäßen Bildstil verlangt, um seinem Lebensgesetz der inneren Form treu zu bleiben, gehört zu den ehernen Regeln des Kinos. Und so scheint der Schnee wie ein zertrümmerter Zuckerberg in der Sonne zu liegen. Die Volkstracht wird modisch akzentuiert, die Füßchen stecken in eleganten Schuhen, und schmeichelnd umspielen Spitzenlichter die koketten Grübchen des Mädchens. Es machte nichts aus, daß Marika Rökk in Georg Jacobys „Die Frau meiner Träume“ (1944), ihrem letzten Film vor Kriegsende, schwanger war, im Gegenteil wurde ihrer Weiblichkeit dadurch noch stärker betont. Dies war auch ganz im Sinne der NS-Propaganda, die die positive Ausstrahlung der blonden, lebenslustigen Schauspielerin in den 15 Filmen, in denen Marika Rökk zwischen 1934 und 1945 mitwirkte, für ihre politisch-propagandistischen Zwecke auszunutzen wußte. Marika Rökk wurde am 3. November 1913 als Tochter eines ungarischen Architekten in Kairo geboren. Aufgewachsen in Budapest, wo sie die Schule besuchte und Ballettunterricht bekam, zog sie 1924 mit der Familie nach Paris um. Mit elf Jahren trat sie bereits am Pariser Moulin Rouge auf und reiste in die USA, wo sie als Solistin in einer Broadway-Revue in New York tanzte. Anfang der 1930er Jahre folgten Tourneen durch Europa, die sie nach Hamburg, Berlin, Monte Carlo, London und wieder nach Paris und Budapest führten. In dieser Zeit stand sie erstmals in zwei britischen Komödien vor der Kamera und drehte auch in Ungarn. Doch erst ihr großer Erfolg als Kunstreiterin in der Zirkus-Revue „Stern der Manege“ im Wiener Zirkus Renzin verschaffte ihr 1934 einen Vertrag bei der Berliner Ufa. Speziell für sie entwickelte die Ufa eine reizvolle Spielart zwischen Revue und Singspiel, die von der Revue den Augenschmaus der Ausstattung und vom Singspiel die rührende Fabel übernahm. In vielen ihrer Filme fand dieser sehr populäre Filmtyp fortan eine dramaturgisch sicher entwickelte Form. Nach dem großen Erfolg von „Leichte Kavallerie“ (1935), einer im Zirkusmilieu angesiedelten Komödie, stand ihrer steilen Karriere im deutschen Film nichts mehr im Weg. Nun spielte sie zumeist unter der Regie ihres späteren Ehemannes Georg Jacoby, wie in „Heißes Blut“ (1936), „Der Bettelstudent“ (1936), „Und Du, mein Schatz, fährst mit“ (1937) und „Kora Terry“ (1940), der Verfilmung eines reißerischen Kriminalromans, der zuvor von den Lesermillionen der großen illustrierten Blätter verschlungen wurde und den Jacoby gekonnt zu einer fesselnden Kolportagegeschichte mit Revue-Einlagen ausbaute, aber auch in Harald Brauns „Hab mich lieb“ (1942). Der unermüdlich an sich arbeitenden Schauspielerin blieb der Erfolg auch nach dem Krieg treu. Nachdem sie den absurden Verdacht einer angeblichen Spitzeltätigkeit für das NS-Regime vor einem Ehrengericht der Schauspielervereinigung 1947 erfolgreich widerlegen konnte, eröffnete Marika Rökk ein Jahr später ihr erster Nachkriegsfilm „Fregola“ – wieder unter der Regie Georg Jacobys – eine zweite Karriere. In gut zwanzig weiteren Kinofilmen, aber auch in zahlreichen Operetten, Musicals und Fernseh-Shows feierte sie im deutschsprachigen Kulturraum große Erfolge, so beispielsweise 1967 in „Maske in Blau“, 1969 in „Hello Dolly“ und 1978 in „Die Gräfin vom Naschmarkt“. An ihrem 70. Geburtstag trat Marika Rökk, die nach dem Tod Georg Jacobys 1964 in zweiter Ehe ihren Manager Fred Raul geheiratet hatte, in der Titelrolle der Operette „Ball im Savoy“ in Wien auf. Drei Jahre später brillierte sie in der Musikkomödie „Das Kuckucksei“, und Peter Schamoni holte sie 1987 in „Schloß Königswald“ für den Film zurück. Noch 1992 wirkte sie in ihrer Heimat Budapest an einer Operetten-Aufführung mit. Nach dem Tod ihres Mannes Raul lebte die mit dem Filmband in Gold, der Ehrenmedaille der Stadt Wien und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnete Künstlerin zurückgezogen in ihrem Haus in Baden bei Wien, wo sie am 16. Mai im Alter von 90 Jahren verstarb. Foto: Marika Rökk in dem Film „Kora Terry“ (1940): Steile Karriere

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