Schuldig bei Verdacht

Die Schauspielerin Senta Berger distanziert sich von ihrer Beteiligung an der Neueinspielung der Symphonie „Letzte Briefe aus Stalingrad“ des französischen Komponisten Aubert Lemeland. Die Symphonie war während der Gedenkstunde zum Volkstrauertag 2002 im Reichstag aufgeführt worden. Mit dem Vorwurf von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), bei den zur Aufführung gehörenden verlesenen Feldpostbriefen deutscher Soldaten aus Stalingrad handle es sich um „Nazi-Texte“, hatte dieser einen Eklat provoziert (JF berichtete). Einen Beweis dafür blieb Thierse zwar schuldig, Fachleute widersprachen ihm (JF 48/02), dennoch war die Komposition damit stigmatisiert. Anläßlich der Aufführung hatte man eine Neueinspielung vorgenommen und für die Verlesung der Briefe Frau Berger gewonnen. Inzwischen jedoch möchte sie – 2000 noch in einem Festakt im Münchner Rathhaus für ihre „Zivilcourage“ (Laudatio) mit einem Preis „für demokratisches Engagement“ ausgezeichnet – mit dem Projekt nicht mehr in Verbindung gebracht werden und untersagte den weiteren Vertrieb der CD. Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT verweigerte sie jede Stellungnahme. Dennoch hofft Lemeland noch auf eine gütliche Einigung, denn sonst droht den noch etwa 1.000 vorrätigen Kompaktplatten die Einstampfung. Damit wäre die Ächtung des Werkes in Deutschland gelungen. Auber Lemeland: „Letzte Briefe aus Stalingrad“, Sinfonie Nr. 10 op. 172 für Sprecherin, Sopran und Orchester. Top Music e. K., Edition linea classica. Tel.: 0 26 52 / 52 71 44, Internet: www.top-music-verlag.de

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