Konsumkritik in Lack und Leder

Eines der zahlreichen Magazine aus dem Dark Wave-Bereich ist das kopierte DIN A4-Heft Succubus, das sich als „unkommerziellesUnderground-Magazin für Sub-Art und Underground-Culture“ versteht. Da man das Heft aus purer Freude am publizistischen Ausdruck, nicht jedoch zum Zwecke des Kapitalerwerbs gestaltet, steht man auch der Kommerzialisierung unserer Lebenswelt skeptisch gegenüber: „Sind wir tatsächlich zu einer inhaltslosen Konsumgesellschaft verkümmert, welche ihren einzigen Sinn in der Anhäufung von immer mehr Kapital sieht? Auch die Kunst, Literatur und Musik-Szene scheint immer mehr in diesem undurchdringlichen Netz von Geld und Anerkennung gefangen zu sein.“ Aus diesem Grund will Succubus jenen Subkultur-Künstlern eine Heimat sein, welche sich von den ausgetretenen Pfaden des etablierten Kulturbetriebs fernhalten. Hierzu wird vor allem das Mittel des direkten Interviews gewählt – ein Zitatenschatz, eine Primärquelle also. Beispielsweise die „Untoten“ um Sängerin Greta Csatlos, „Gräfin des Blutes“, und Komponist David A. Line, „Schöpfer der Finsternis“, können von schwarzen Messen und einem Kunstfilmprojekt berichten, sich über spirituelle Energie, Naturkraft, Hieronymus Bosch oder Dantes „Göttliche Komödie“ auslassen. Die Gruppe „Kirlian Camera“ berichtet von den einseitigen Angriffen der „Antifa“ gegen ihre Konzerte. Die Gothic-Rock-Gruppe „Sanguis et Cinis“ wendet sich gegen die Verlogenheit kirchlicher Organisationsstrukturen. Die Band „Rajna“ erklärt ihre tibetanische Klangmagie. Aber auch sehr gemäßigt auftretende Gruppen wie „L ‚Ame Immortelle“ können von der Melancholie ihrer Lieder berichten. Zudem findet man Interviews mit ausländischen Anhängern, zum Beispiel aus Finnland, Italien oder den USA, sowie Kurzvorstellungen unbekannterer Einzelkünstler, wie zum Beispiel Szene-Fotograf Gerd Lehmann, der unter anderem das Leipziger Völkerschlachtdenkmal auf ungewöhnliche Weise ablichtete. Eine Besonderheit von Succubus ist dessen vergleichsweise starke erotische Ausrichtung. So werden viele hübsche Wave-Mädchen in Lack- und Lederbekleidung oder Phantasiekostümen als illustrative Bereicherung eingesetzt oder man findet Interviews mit Fetisch-Künstlern wie dem Schweizer Fotograf „Püroman“. Interessant erscheint vor allem der Rezensionsteil des kleinen Blattes. Es werden neueste Comics und Tonträger aus dem Wave-Bereich vorgestellt. Literaturbesprechungen beschäftigen sich häufig mit Popkultur, Lebensart und esoterischen Fragen. In diesem Zusammenhang wurden auch die Bandbiographie der von links stark angegriffenen Gruppe „Forthcoming Fire“ oder Bücher aus dem Arun-Verlag über Otto Rahn oder Weisthor kritisch gewürdigt. Succubus, c/o Gaff-Art, Michael Dettenberger, Klagenfurter Str. 39, 70469 Stuttgart. Das Magazin erscheint vierteljährlich.

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