Ins Gras beißen

Warum schütten wir das Kind mit dem Bade aus, nicht aber die Oma mit der Dusche? Und wieso können sich zwei Menschen wie Hund und Katze benehmen, nicht aber wie Pottwal und Zaunkönig? Klar, weil es sich um feststehende Redensarten handelt. „Es hat sich herausgestellt, daß wir nicht nur mit einzelnen Wörtern und Sätzen, sondern zu einem Großteil mit mehr oder weniger festen Wortverbindungen kommunizieren“, sagt Kathrin Steyer vom Institut für Deutsche Sprache (IDS). Die Sprachwissenschaftlerin und Sprecherin des Mitarbeiterausschusses gehört zu den Organisatoren der 39. IDS-Jahrestagung, die vom 11. bis 13. März unter dem Motto „‚Den Nagel auf den Kopf treffen‘ – Wortverbindungen mehr oder weniger fest“ stattgefunden hat. Mit neuartigen mathematisch-statistischen Methoden will das Institut dem Phänomen der Redensarten und Wortverbindungen wie „den Löffel abgeben“, „auf dem Kerbholz haben“ oder „ins Gras beißen“ auf den Grund gehen. „Wir versuchen, im Sprachgebrauch Gesetzmäßigkeiten, Regeln, Muster und Auffälligkeiten zu erkennen, die wir dann interpretieren und bewerten wollen“, erklärt Kathrin Steyer. Mit Hilfe von intelligenten automatischen Recherchewerkzeugen sollen diese Wortverbindungen in Texten herausgefiltert werden. Das in Mannheim ansässige Institut für Deutsche Sprache verfügt mit fast zwei Milliarden Wörtern über die weltweit größte elektronische Sammlung deutschsprachiger Texte. Die ersten Ergebnisse dieser sogenannten Korpusanalysen sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren online zur Verfügung gestellt werden und der weiteren wissenschaft-lichen Forschung dienen.

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