Grenzgänger in der offenen Welt

Seit zwölf Jahren erscheint der Arabische Almanach der in Berlin edierten Zeitschrift für orientalische Kultur. Das für deutsche Leser konzipierte professionelle Magazin kommt zweimal im Jahr heraus und wird ergänzt durch das in Quartalsabstand erscheinende Beiheft OrientXpress. Dem Leser eröffnet der Almanach den Blick auf die kulturelle Fülle der arabischen Völker und Regionen, unter Einschluß des Iran und der Türkei. Gleichzeitig erhalten hier Verlage, Sprachinstitute und sich im interkulturellen Austausch engagierende Vereinigungen ein Forum zur Präsentation. Zeitpolitische Themen fließen am Rande mit ein. Doch versteht sich das Periodikum in der Hauptsache überpolitisch und versucht tiefer zu graben, anstatt kurzlebige Konfliktthemen anzuheizen. So werden Beiträge geboten zur arabischen Musik und über traditionelle Handwerksformen, zu religiösen Themen wie dem Misbaha und Dhikr, die eine genaue Entsprechung finden in der altchristlichen Frömmigkeitspraxis, oder eine kritische Sichtung der deutschen Islamübersetzungen. Reiseberichte geben Innenansichten aus der islamischen Welt, Kurioses läuft am Rande mit, so die „Kinobegeisterung im Iran“ oder „Sex für Fortgeschrittene“ in Ägypten. Verblüfft liest man einen Aufsatz „IslamiCity“ (2001/02) über den Aufbau von Internetdiensten islamischer Gemeinden weltweit, deren Zielsetzung, Nutzung und die entstehende globale Vernetzung des Islam. Besondere Bedeutung kommt im Almanach der arabischen Poesie zu, die, wie die neue zweisprachige Literaturzeitschrift Diwan (2001) betont, „bis heute noch alle ihre Tugenden wie … Macht der Emotionen und große Worte bewahrt hat“. Die deutsche Übersetzerin von Nagib Mahfus, Doris Kilias, beschreibt ihren jahrzehntelangen Weg mit dem ägyptischen Nobelpreisträger, und aus Weimar kommt die Meldung über ein Goethe-Hafis-Denkmal für die Weltliteratur (2000/2). Klassische und moderne Poesie, Kunstbücher und politische Lageanalysen lassen sich beziehen über den der Redaktion angeschlossenen „Orient-Buch-Basar“, dessen Versand preisgünstige Titel anbietet. Feste Rubriken in jedem Heft bilden die Seiten, auf denen neue CDs den „Orient im Ohr“, Verleger den „Orient im Buch“ vorstellen und kulinarische Rezepte einen „Orient im Bauch“ beschwören. Daneben präsentieren sich Einrichtungen wie die Deutsch-Maghrebinische Gesellschaft (Bonn) oder die Gesellschaft für Islamische Kunst und Kultur (München), sowie die Stiftung Bibliotheca Afghanica in Basel. Vielfältig beschäftigt einen bei der Lektüre das komplexe Selbstverständnis arabischer Intellektueller und der ästhetische Beziehungsreichtum orientalischer Künstler, die oft im Westen akademisch ausgebildet wurden oder ihr Publikum haben. Ihr problematischer „Standort“ als Grenzgänger und Vermittler unterschiedlicher, bisweilen auch feindlicher Gesellschaften enthüllt viel von dem Konfliktreichtum, aber auch der verzweifelten Kreativität unseres heutigen Lebens in einer offenen Welt. Der Arabische Almanach, Zeitschrift für orientalische Kultur, Muskauerstraße 4, 10997 Berlin, Tel. 030 / 61 28 03 59, E-Post: info@der-arabische-almanach.de

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