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„Gefahr der Legitimierung oder Verharmlosung“

Der Sohn des 1977 ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer, Hanns-Eberhard Schleyer, lehnt die in Berlin geplante RAF-Ausstellung weiter ab. „Grundsätzlich bin ich der Meinung, daß eine solche Ausstellung ihrem Anspruch, den RAF-Terrorismus in Deutschland den Menschen verstehbar zu machen, nicht gerecht werden kann“, sagte er der Welt am Sonntag. Eine solche Thematik sei nur begrenzt darstellbar – „mit der Gefahr der Legitimierung oder auch Verharmlosung“, erklärte Schleyer. Zum Inhalt der Ausstellung wollte er sich jedoch nicht äußern, „da sie ja noch überarbeitet werden soll“. Die geplante Ausstellung war bei Politikern und Angehörigen von RAF-Opfern auf heftige Kritik gestoßen, weil sie eine Mystifizierung der RAF befürchteten (JF 33/03). Der Hauptstadtkulturfonds will nach Angaben von Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS) seine Finanzzusage über100.000 Euro Mitte September überprüfen. Bis dahin werde auch ein überarbeitetes Konzept des Berliner Ausstellungshauses „Kunst-Werke“ vorliegen. Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) hatte eine Zusammenarbeit mit den Angehörigen der RAF-Opfer gefordert und verlangt, daß die Ausstellung von der Bundeszentrale für Politische Bildung und dem Hamburger Institut für Sozialforschung mitveranstaltet wird. Die ursprünglich für dieses Jahr geplante Ausstellung wurde auf November 2004 verschoben. Für Hanns-Eberhard Schleyer ist eine Ausstellung „immer einseitig“. Vieles aus jener Zeit sei noch nicht aufgeklärt. „Wir wissen zum Beispiel nicht, wer für den Mord an Treuhand-Chef Detlev Rohwedder verantwortlich ist. Das gleiche gilt für das Verbrechen an dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank Alfred Herrhausen. Es sind einfach zu viele Fragen ungeklärt, so daß jegliche Ausstellungskonzeption rasch an ihre Grenzen kommen muß.“ Herrhausen war am 30. November 1989 von einer Autobombe getötet, Rohwedder am 1. April 1991 erschossen worden. Auch die Fernsehdokumentation über seinen Vater unter dem Titel „Schleyer – eine deutsche Geschichte“, die am Mittwoch in der ARD ausgestrahlt wurde, kritisierte Schleyer. Darin werde der Anschein einer Nähe seines Vaters zu Verbrechern in der NS-Zeit erweckt, „die nie gegeben war“. Der Film gebe Aussagen wieder, die sich auf gefälschte Dokumente der Staatssicherheit der DDR stützen. Gerade weil die RAF-Terroristen sich mit angeblichen Greueltaten seines Vaters rechtfertigten, hätten sie im Film „als Stasi-Machwerk entlarvt werden müssen“.

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