Fürstliche Kunstgalerie

Das Haus Liechtenstein zählte zu einem der berühmtesten Adelsgeschlechter auf dem Territorium der alten k.u.k.-Monarchie. Einer der ersten urkundlich erwähnten Mitglieder der Familie, Hugo von Liechtenstein, wird in den Annalen als Zeuge mehrerer Beurkundungen zwischen den Jahren 1133 und 1156 erwähnt. Sein Sitz war die Burg Liechtenstein bei Mödling (Niederösterreich), die im 19. Jahrhundert wieder vom Haus Liechtenstein erworben, gänzlich aufgebaut und restauriert wurde. 1142 erwarb Hugo von Liechtenstein Petronell an der Donau, in dessen Nähe noch heute ein römisches Heidentor besichtigt werden kann. Die gehobene Stellung eines seiner Nachkommen, Dietrich von Liechtenstein, vermutlich ein Sohn Hugos, kommt bereits darin zum Ausdruck, daß er mehrfach als Zeuge auf Urkunden in der Umgebung der babenbergischen Herzöge zu finden ist. Eines der wichtigsten Besitztümer der Liechtensteiner über viele Jahrhunderte lag im heutigen mährisch-niederösterreichischen Grenzland, geographisch etwa das Gebiet zwischen Nikolsburg und Lundenburg bis nach Hohenau umfassend. Noch heute künden die Schloßanlagen in Feldsberg oder Eisgrub von der ehemaligen Macht des Regentengeschlechtes. Doch auch in Böhmen, Schlesien, Salzburg, der Steiermark, Ungarn, Sachsen und Preußen verfügte die Familie über Ländereien. Dagegen gelangte das heute fast ausschließlich mit dem Begriff „Liechtenstein“ in Verbindung gebrachte kleine Fürstentum zwischen der Schweiz und Vorarlberg erst relativ spät in den Besitz der Familie. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts stellte dieses etwa nur ein Zwölftel der Fläche des Gesamtbesitzes der Liechtensteiner dar. Mindestens ebenso faszinierend wie die Historie des Hauses Liechtenstein ist auch deren kulturelles Mäzenatentum. Noch bis zum 11. Mai kann im Historischen Museum in Wien eine Ausstellung, in der die über 80 Ölbilder, knapp 30 Graphiken und 350 Architekturfotographien präsentiert werden, die Fürst Johann II. von und zu Liechtenstein (1840-1929) zwischen 1894 und 1916 der Stadt Wien schenkte, besichtigt werden. Darunter befinden sich einige bereits häufiger in Sonder- und Dauerausstellungen präsentierte Objekte, aber auch weniger oder noch gar nicht ausgestellte bzw. abgebildete Werke. Johann II. hatte beim Reichsgrafen Klemens von Westfalen in Bonn eine Lehre im Verwaltungswesen erhalten. Großes Interesse brachte der Fürst bei der Rückkehr auf seine Gütern Innovationen in der Landwirtschaft, wie Bodenmeliorationen, Einsatz künstlichen Düngers, Einführung und Erprobung neuer Viehrassen und neuer technischer Geräte sowie dem Gartenbau entgegen. Im Jahr 1895 gründete er in Eisgrub eine Höhere Obst- und Gartenbauschule. 1912 wurde ein vom Fürsten finanziertes Mendel-Institut eröffnet. Im Fürstentum Liechtenstein führte er 1862 eine neue liberale Verfassung ein, die jene noch im spätabsolutistischen Geist erlassene „oktroyierte Verfassung“ aus dem Jahr 1818 ablöste. Daneben zeichnete er sich durch seinen außergewöhnlichen Kultursinn aus: Nicht nur für Renovierungsarbeiten am Wiener Stephansdom spendete er erhebliche Mittel, sondern auch für den Aus- und Umbau seiner Ländereien, wovon noch heute der prächtige Landschaftsgarten in Eisgrub kündet. Auch die für den Bau von neuen Rathäusern in Feldsberg und Eisgrub benötigten Finanzierungen wurden zum überwiegenden Teil von Johann II. getragen. Daneben erwarb er auf Auslandsreisen regelmäßig Bilder, mit denen er die vermeintlichen Lücken der liechtensteinischen Kunstgalerie schließen wollte und von denen ein Teil nun in der Ausstellung besichtigt werden kann. Zu den präsentierten Werken gehören neben anderen Ferdinand Georg Waldmüllers (1793-1865) „Johannes-Andacht“ (1844) „Pfändung“ (1847) oder „Rosenzeit“ (um 1864), sowie Peter Fendis (1796-1838) „Milchmädchen“ (1830) oder „Traurige Botschaft“ (1838); Spitzenwerke der Malerei des Wiener Biedermeiers. Eine zweite Gruppe stellen zeitgenössische moderne Werke dar, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, wie Rudolf von Alts (1812-1905) „Blumenstilleben mit Loise Alt“ (1895) oder Karl Zewys „Brautwerbung“ (1896). Ein dritter Teil der Schenkungen des Fürsten nehmen Gemälde und Fotos des „alten Wien“ um die Jahrhundertwende ein. Besonders interessant sind dabei die von Johann II. persönlich in Auftrag gegebenen Aufnahmen, die alte, inzwischen zum größten Teil abgerissene Biedermeierhäuser zeigen. Die darin spürbare Freude an kleinen Details dürfte nicht nur lokalhistorisch Interessierten genügend Anlaß bieten, der Ausstellung einen Besuch abzustatten. Josef Gisela, „Szene beim Gemüsestand“ (um 1894): Spürbare Freude an kleinen Details Die Ausstellung „Johann II. von und zu Liechtenstein – Ein Fürst beschenkt Wien. 1894-1916“ wird bis zum 11. Mai im Historischen Museum der Stadt Wien, Karlsplatz, gezeigt.

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