Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Die Überwindung des Bösen

Der Erfolg der Harry Potter-Bücher – mehr als 123 Millionen verkaufte Exemplare in 200 Ländern, davon allein in Deutschland über zwölf Millionen – hat jeden überrascht. Die Autorin J. K. Rawlings, inzwischen zur zweitreichsten Frau Großbritanniens aufgestiegen, erzählt in dem auf sieben Fortsetzungen angelegten Zyklus die Geschichte des von Zauberereltern abstammenden Harry, der den todbringenden Fluch Voldemorts (Er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf), des Mörders seiner Eltern, mit einer blitzförmigen Fluchnarbe auf der Stirn überlebt. Nach schlimmen Jahren bei seinen Verwandten, entdeckt er schließlich, daß auch er ein Zauberer ist. In Hogwarts, der „Schule für Zauberei und Hexerei“ erlernt Harry magische Praktiken und erlebt mit seinen Freunden Ron und Hernine mörderische Abenteuer. Höhepunkt jedes Buches ist der Kampf zwischen Lord Voldemort und Harry, der im vierten Band in einem eindeutig satanischen Ritual gipfelt, bei dem es um die Wiederkehr Satans an die Macht geht. Als „globalen Schub in okkultes Heidentum“ bezeichnet die Autorin Gabriele Kuby ohne Umschweife die Harry Potter-Bände. Und in der Tat hat sie recht. Einmal abgesehen von der Unverbindlichkeit und damit Kritikunfähigkeit der New Age-, Esoterik- und Mystizismus-Welle, die auch schon bemerkenswert lange am Rollen ist und anstatt auf wissenschaftliche Erklärungen und Deduktion auf Simplizität durch psychisch Entlastendes setzt, wird hier ein gefährlich-verderbliches Spiel mit dem Okkultismus betrieben. Die hemmungslose Verherrlichung von Magie und Hexerei ist bei Rawlings nämlich keineswegs nur simples Mittel zum Zweck. Und es geht auch nicht um das „Ballern mit Kanonen auf Spatzen“, wie der Vorwurf der Rawlings- und Potter-Apologeten an die Potter-Kritiker lautet. Gewiß bedient Rawlings zuallererst Sehnsüchte ihrer Leserschaft, und die Rolle der Magie in der Unübersichtlichkeit der Moderne verdiente es durchaus mit qualifizierten Methoden er- oder doch zumindest beleuchtet zu werden. Darin könnte ein gutes Stück Positivismus, aber auch Aufklärung stecken. Genau dies passiert hier jedoch nicht. Wenn Rawlings hingegen in einem Interview mit der London Times (laut Aargauer Zeitung vom 19. Oktober 2000) angeblich wörtlich erklärte: „Diese Bücher helfen den Kindern zu verstehen, daß der schwache, idiotische Sohn Gottes ein lebendiger Witz ist, welcher gedemütigt wird, wenn der Feuerregen kommt“, dann wird wohl jedem klar, welch abgrundtiefer Haß auf das Christentum und auf die Kinder hier am Werke ist. Eine Gegendarstellung der Autorin ist bis heute nicht bekannt geworden. Es geht also durchaus um mehr als nur „postmodernen Hokuspokus“ (Silke Lührmann in der JUNGEN FREIHEIT 46/02 vom 10. November 2000). So treibt Rawlings im Kapitel „Die Todesesser“ – das sind die Anhänger Voldemorts – im vierten Band die Lästerung Gottes auf die Spitze. Auf wahrlich satanische und perverse Weise wird der göttliche Schöpfungsakt hier in sein Gegenteil verkehrt, wenn das auf Seite 666 (!) mit einem tödlichen Fluch beginnende Ritual in einer blasphemischen Beschwörung des Bösen endet und in Form des blutgierigen Zauberers Voldemort schließlich Gestalt annimmt. Dies alles in einer Diktion, die einem Horrorroman für Erwachsene, die keine Geschmacksgrenzen mehr kennen, entliehen sein könnte. Dergleichen „Literatur“ wird heute in einer völlig kommerzialisierten Kultur, die inzwischen weitgehend von heidnischen, atheistischen und satanistischen Positionen annektiert ist, offenbar auch für Kinder als zuträglich erachtet. Der „Mythos vom „göttlichen Kind“, den uns die gut geschmierte Harry Potter-Industrie und in ihrem Gefolge die allermeisten Medien, kirchlichen Institutionen, Theologen und Psychologen, verkaufen wollen, ist so gesehen nichts als eine groteske und zynische Verdrehung der Fakten. Wer sich der anti-christlichen Faszination und der gefährlichen Dimension von Rawlings bzw. Harrys Botschaft bislang noch nicht bewußt war, sollte Gabriele Kubys Beitrag zu diesem Thema lesen. Er wird eine Welt kennenlernen, die absolut böse und teuflisch ist, und in der Satan letztlich mit Beelzebub ausgetrieben wird. Vor allem aber wird er sich nach der Lektüre von Kuby nicht mehr in die Ecke von Ignoranten, Spaßverderbern oder Fundamentalisten stellen lassen. Daß es jedoch grundsätzlich falsch ist, die phantastische Literatur von vornherein unter einen Generalverdacht zu stellen, beweist dagegen ein anderer Autor, der zur Zeit wieder neu entdeckt wird: J. R. R. Tolkien. Ihm hat Michael Hageböck den zweiten, weitaus umfangreicheren Teil des Buches gewidmet. Jede Zeile läßt die Liebe des Autors zu nordischen Sagen und zur katholischen Kirche spüren, ein Spagat, der Hageböck vortrefflich gelingt. Anschaulich schildert er, daß Tol-kiens Fantasiewelten und die skurrilen Bewohner von „Mittelerde“ und „Unsterblichelande“ einen Kanon an christlichen Ideen und Werten enthalten, der sich nicht lösen läßt vom katholischen Glauben. Tolkien war katholischer Christ, der täglich zur Messe ging und den Rosenkranz betete. Seine schriftstellerische Phantasie stellte er in den Dienst dessen, was er als wahr erkannte. Sein Mythos ist die Geschichte eines imaginären Heidentums, welches sich nach Erlösung sehnt: Es gilt den Ring zu vernichten und den Weg zum verlorenen Segensreich wiederzufinden. Mit wissenschaftlicher Akribie untersucht Hageböck den Mythos Tol-kiens. Daß dieser von den ewigen Aufklärern bis heute als „rückwärtsgewandte Phantastik“ geschmäht wird, überrascht nicht. Ein Philologieprofessor und Mythenforscher, der sich auf die altnordische Kultur spezialisierte und bei seiner Suche nach einer neuen Mythologie den Gegensatz zwischen Gut und Böse zu seinem Hauptthema machte, und der dazu noch Ende der sechziger Jahre freimütig Stellung bezog gegen die modernistischen Trends in der Kirche und gegen die Liturgiereform, ist für viele Intellektuelle immer noch ein rotes Tuch. Tolkiens Bücher sind – das macht Hageböck klar – pure Phantasie. Aber sie geben Hinweise auf eine tiefere Wirklichkeit und sie stoßen Fragen an, die unzeitgemäß und gerade deswegen ewig sind. Nach der Bibel ist „Der Herr der Ringe“ das meistgelesene Buch des 20. Jahrhunderts. „Tolkiens Phantasie ist ein Lot, mit welcher er die Welt ausmißt“, schreibt Hageböck in seiner Apologie auf „Mittelerde“. Diese „Frohe Botschaft aus Mittelerde“ beschreibt im Modus der Phantasie den geistigen Kampf und zeigt den einzigen Weg, wie das Böse letztlich überwunden werden kann: Durch Liebe, wahre Freundschaft, selbstlose Hingabe, Demut und Barmherzigkeit. Gabriele Kuby / Michael Hageböck: Harry Potter – Der globale Schub in okkultes Heidentum. Frohe Botschaft aus Mittelerde. Fe-Medienverlag. Kisslegg 2002. 196 Seiten, 7,80 Euro

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