Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Republikanischer Jungtürke

Der MSBNBC-Nachrichtensprecher Chris Matthews zitierte jüngst zustimmend einen Ausspruch, den Richard Nixon 1968 Pat Buchanan auf den Weg gab: „Wenn Sie mitkriegen, daß sich eine Gruppe bildet, um X zu stoppen, können Sie darauf wetten, daß X das Rennen macht.“ Bei dem X handelt es sich in diesem Fall um Rand Paul, den Senator aus Kentucky, dem Matthews, selber überzeugter Demokrat, das Verdienst zuschrieb, in der Republikanischen Partei einen „Bruderkrieg“ in außenpolitischen Fragen insgesamt und der Frage des Kriegs gegen den Irak im besonderen angezettelt zu haben.

Matthews nahm den Strafprediger Paul gegen Anwürfe aus den eigenen Reihen in Schutz: „Egal, was man von Rand Pauls libertärer Philosophie halten mag, er ist definitiv clever. Daß Rick Perry ihn als Isolationisten verunglimpft, läßt er sich nicht bieten, sondern ist statt dessen in die Offensive gegangen und hat Perry heute morgen dafür angegriffen, daß er US-Soldaten in den Irak zurückschicken will. … Perry tut so, als sei es so eine großartige Idee gewesen, den Irak anzugreifen und zu besetzen, daß er es unbedingt nochmal machen will.“

Perry war keineswegs der einzige republikanische Kriegstreiber, der über Paul herfiel. Der texanische Gouverneur Rick Perry nutzte ein Editorial in der Washington Post, um vor den Gefahren des „Isolationismus“ zu warnen. Paul sei „merkwürdig blind“ gegenüber den wachsenden Bedrohungen im Irak. John McCain warf seinem Senatskollegen aus Kentucky auf CNN vor, er wolle „einen Rückzug in die Festung Amerika“. Und der ehemalige Vize-Präsident Dick Cheney wütete, unter den gegebenen Umständen sei Isolationismus „irrwitzig“, während seine Tochter Liz anmerkte, Paul lasse „bezüglich seiner nationalen Sicherheitspolitik einiges zu wünschen übrig“.

Armseliger Versuch

Um die Meinung von Vater und Tochter Cheney braucht sich ein Jungtürke wie Rand Paul nicht wirklich zu scheren. Eine ganz andere Frage ist, ob er sich gegen die Vereinigten Stabschefs behaupten kann. Unter den militärischen Entscheidungsträgern ist der Trugschluss von den „irreversiblen Kosten“ weit verbreitet – die irrationale Annahme, man müsse im Irak (und anderswo) zusätzliche Ressourcen investieren, um die ursprünglichen törichten Investitionen an Human-, Finanz- und Materialressourcen zu „amortisieren“.

Zu diesem Zweck wird bis zum Erbrechen der Refrain von „unseren tapferen Soldaten und Soldatinnen“ heruntergebetet, deren Opfer für die „Freiheiten“ der Iraker umsonst gewesen wären, wenn nicht noch weitere derartige Opfer gebracht würden. Die Internetseite The Skeptic’s Dictionary entlarvt ebendiesen Trugschluss als solchen: „Weiterhin in ein hoffnungsloses Projekt zu investieren, ist irrational. Bei einem derartigen Verhalten kann es sich um einen armseligen Versuch handeln, den Zeitpunkt hinauszuzögern, indem man sich mit den Folgen des eigenen schlechten Urteilsvermögens auseinandersetzen muß. Die Irrationalität ist eine Möglichkeit, das Gesicht zu wahren, Klugheit vorzutäuschen, wenn man sich in Wirklichkeit wie ein Idiot verhält.“ Und nebenbei bemerkt ist es höchste Zeit, daß das Militär sich dem Willen seines Zahlmeisters, nämlich des amerikanischen Volkes, fügt, das mehrheitlich dagegen ist, US-Truppen in den Irak zurückzuschicken.

Für Libertäre ist Rand Paul eine Enttäuschung

An seinen Vater Ron, ein echtes amerikanisches Original, reicht Rand Paul nicht heran. Für alle diejenigen, die das libertäre Gebot gegen die Einleitung von Feindseligkeiten ernst nehmen, hat sich der Sohn als Enttäuschung erwiesen. Er befürwortet Luftangriffe gegen den Irak und eine fortdauernde „Unterstützung der irakischen Regierung durch Waffen und Geheimdienstinformationen“. Anerkennung gebührt ihm hingegen dafür, daß er eine politische Debatte überhaupt erst angestoßen und denjenigen, die unbedingt „die Geschichte, die Rhetorik und vermutlich auch die Fehler“ der Irak-Invasion wiederholen wollen, die Torheit ihres Unterfangens aufgezeigt hat.

Noch wichtiger jedoch ist, daß dieses zutiefst gespaltene Territorium – denn eine Nation sind die USA schon lange nicht mehr – in seiner Aversion gegen die ausländischen Abenteuer seiner politischen Elite geeint ist: daher die lobenden Worte, die ein überzeugter Linker wie Chris Matthews für Pauls Weitsicht und Bravour findet. Die Republikanische Partei täte gut daran, auf den Friedenszug aufzuspringen.

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